Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.11.2025 - Film

Philipp Dörings Dokumentarfilm "Palliativstation"

Auf der diesjährigen Berlinale hatte sich Philipp Dörings vierstündiger Dokumentarfilm "Palliativstation" rasch zum Geheimtipp entwickelt. Jetzt erreicht der über mehrere Monate hinweg in der Palliativabteilung des Franziskus-Krankenhauses in Berlin entstandene Film die deutschen Kinos. Barbara Schweizerhof ist in der taz hin und weg: "'Palliativstation' ist kein Film, der falsche Hoffnungen macht. 'Es ist, was es ist' - an einer Stelle liest eine Pflegekraft in einer Mitarbeiterversammlung Erich Frieds bekanntes Gedicht wie ein Gebet vor: 'Es ist lächerlich sagt der Stolz/Es ist leichtsinnig sagt die Vorsicht/Es ist unmöglich sagt die Erfahrung/Es ist was es ist sagt die Liebe'. Die Diskretion und Zurückhaltung bei gleichzeitiger Aufgeschlossenheit und Einfühlsamkeit, die Dörings Film auszeichnen, gleichen mehr als aus, dass keine der Geschichten, die man hier mitbekommt, ein gutes Ende im traditionellen Sinn findet. Es gibt keine Wunderheilungen und auch kein 'Trotz alledem', das Menschen kurz vor dem Tod noch schnell glücklich macht."

Besprochen werden "Ich sterbe. Kommst Du?" von Benjamin Kramme (BlZ), "Paternal Leave - Drei Tage Meer" von Alissa Jung (critic.de) und Ari Asters "Eddington" (FAZ, SZ, siehe auch hier) und Jon M. Chus "Wicked 2" (Presse).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.11.2025 - Film

In der NZZ erinnert sich Urs Bühler an Emmi Creola-Maag aka Betty Bossi, Ratgeberin und Influencerin avant la lettre, der Regisseur Pierre Monnard gerade ein Biopic gewidmet hat. Besprochen wird Ari Asters Western "Eddington" mit Joaquin Phoenix, Emma Stone und Pedro Pascal (SZ, Tsp.).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.11.2025 - Film

Rosalinde Mynster als Brunhild in der neuen Nibelungen-Serie. Stanislav HONZIK @2023/Constantin Film

"Sehenswert für Film- wie für Opernfreunde" ist die neue "Nibelungen"-Serie von Cyrill Boss und Philipp Stennert, freut sich Christian Wildhagen in der NZZ. "Bildgewaltig" adaptiert das Regisseur-Duo Wolfgang Hohlbeins "Nibelungen-Saga", in der die Figur des Hagen, anders als bei Wagner, kein ganz so böser Bösewicht ist. Gijs Naber in der Rolle des Hagen kann den Kritiker hier vollständig überzeugen: "Der niederländische Schauspieler setzt die Figur in ein anderes, weniger nachtschwarzes Licht. Er gibt dem vermeintlichen Monster menschliche Züge und einen knorrigen, nicht bloss negativen Charakter. Wie in Hohlbeins Roman ist Hagen hier Waffenmeister am Wormser Hof des Burgunderkönigs Gunther und strenggenommen dessen Vasall. In Wahrheit hält er das Reich zusammen, der Mann in der zweiten Reihe ist der einzige rational agierende Politiker unter lauter Hitzköpfen."

In der FAZ erinnert sich der Regisseur Niki Stein an seinen Lehrer, den vor Kurzem verstorbenen Filmemacher Hark Bohm (unsere Resümees), bei dem er in Hamburg im "Aufbaustudium Film" studierte. Den Studiengang hatte Bohm selbst ins Leben gerufen: "Hark Bohm war ein typischer Hanseat mit Bürgersinn, bestens vernetzt in der sozialdemokratisch regierten Stadt, und hier schon früh unterwegs in der Filmpolitik. Er initiierte die Hamburger Filmförderung, die die erste ihrer Art war, mit klarem Blick auf einen unabhängigen Autorenfilm, und auch das Hamburger Filmfest, als Konkurrenz zu München... Dass so einer sich berufen fühlte, die Filmausbildung in Deutschland, die aus seiner Sicht falsch lief, auf neue Füße zu stellen, war da nur folgerichtig." In der FR schreibt Daniel Kothenschulte den Nachruf, in der taz schreibt Jan Feddersen.

Besprochen werden Edgar Wrights Film "The Running Man" (SZ, taz), Howard Gordons Serie "The beast in me" (Welt) und Lynne Ramsays Thriller "Die my love" (Zeit Online).
Stichwörter: Nibelungen, Bohm, Hark

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.11.2025 - Film

Der Filmemacher Hark Bohm ("Nordsee ist Mordsee") ist tot. Bert Rebhandl erinnert in der FAZ an eine Schlüsselfigur des deutschen Autorenkinos der 1970er und 1980er Jahre, der auch aufgrund seines leisen Auftretens oft im Schatten seiner schillernderen Kollegen stand: "Hark Bohm wurde zur Vaterfigur in einer antiautoritäten Filmfamilie, die vor allem für den Standort Hamburg prägend wurde, etwa mit der Gründung des Hamburger Filmbüros und des Filmfests Hamburg. Dass Institutionen einen republikanischen Geist atmen sollten, war in dieser Generation selbstverständlich. Und dass die Kunst es auch mit konkreten, politischen Missständen aufnehmen soll, gleichsam an der Seite des Journalismus, machte Bohm zum Beispiel 1987 mit 'Der kleine Staatsanwalt' deutlich, in dem er selbst die Hauptrolle übernahm." In der SZ ruft David Steinitz Bohm nach, im Tagesspiegel Andreas Busche, auf Spiegel Online Wolfgang Höbel.

Kulturkamp in Truth Or Consequences: Ari Asters "Eddington"

In einem Nest namens Truth Or Consequences hat Ari Aster seinen neuen Film "Eddington" gedreht. Es geht um die Kulturkämpfe, die die USA fest im Griff haben, als Brandbeschleuniger fungiert die Corona-Pandemie, auf die Aster zurückblickt. Jan Küveler ist in der Welt ziemlich angetan: "Aster (…) mixt Pandemieparanoia, Black-Lives-Matter-Proteste, den heuchlerischen Narzissmus der Selbstdarstellung in den sozialen Medien, Fake News, Verschwörungstheorien, sexuelle Traumata, unerfüllten Kinderwunsch und Verführung durch Sekten zu einem toxischen Cocktail. (…) Schon nach der Premiere in Cannes schieden sich an 'Eddington' die Geister - eben weil der Film nicht reflexhaft Schuldige benennt, sondern zeigt, wie Linke wie Rechte gleichermaßen heuchlerische Kreuzzüge führen." Auch FAZler Bert Rebhandl fühlt sich durchaus inspiriert von Asters Realdystopie: "Dass die Vereinigten Staaten keinen Ort mehr haben könnten, von dem aus eine Genesung denkbar wäre, das ist die Wahrheit, nach deren Konsequenzen Ari Aster mit seinem Film sucht." Für die taz bespricht Michael Meyns "Eddington".

Weitere Artikel: Till Kadritzke blickt auf critic.de auf die diesjährige Duisburger Dokumentarfilmwoche zurück, wo Filme nicht nur gezeigt, sondern im Anschluss auch ausführlich diskutiert werden. Jannis Holl erinnert in der FAZ an den Kultfilm "Kanak Attack". Patrick Heidmann unterhält sich in der FR mit Anke Engelke über deren neuen Film "Dann passiert das Leben". Michelle Yeoh erhält auf der kommenden 76. Berlinale den Ehrenbären, berichtet unter anderem der Standard

Besprochen werden Nadav Lapids "Yes" (Zeit Online), der Schwarzwald-Tatort "Der Reini" (FR), Edgar Wrights "The Running Man" (Welt), Justin Tippings "Him - Der Größte aller Zeiten" (critic.de), sowie die Serien "Pluribus" (taz) respektive "Stabil" (SZ).
Stichwörter: Aster, Ari, Eddington, Bohm, Hark

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.11.2025 - Film

Szene aus "Zero Day Attack"

Ein Angriff Chinas? Das ist eine Gefahr, mit der man in Taiwan tatsächlich leben muss. Die Serie "Zero Day Attack" (Amazon Prime) erzählt davon, und das gar nicht mal schlecht, meint in der Zeit Fabian Peltsch, der bei der Premiere in Berlin dabei war: "Cheng Hsin-mei, die Produzentin von 'Zero Day Attack', erklärte der BBC, sie wolle 'das taiwanische Volk warnen, dass der Krieg wirklich bevorsteht'. Wer jedoch Actionkino erwartet, bei dem die Raketen vom Himmel regnen, verkennt das politische Selbstbild Taiwans. Die ersten 40 Minuten der in Berlin gezeigten Folge sind ein Kopfsprung in den politischen Alltag der noch jungen Demokratie. Die Zuschauer werden Zeuge einer Präsidentschaftswahl, aus der die vormalige Bürgermeisterin von Taipeh als knappe Siegerin hervorgeht. Wie in der Wirklichkeit ist die Politiklandschaft Taiwans auch in der Serie pluralistisch, mitunter vertrackt und unübersichtlich. Die Parlamentarier sind durchaus offen für Handgreiflichkeiten, wenn sie sich nicht einig werden - auch das deckt sich mit der Realität."

Weiteres: Jennifer Lawrence plaudert im Interview mit dem Standard über ihren neuen Film "Die My Love", Mutterschaft und das gesellschaftliche Klima in Trumps Amerika. Besprochen werden Edgar Wrights Actionfilm "The Running Man" mit Glen Powell (SZ, Welt), eine Netflixdoku über Eddie Murphy (SZ), Nadav Lapids Film "Yes" (FAZ, Perlentaucher) und die Netflixserie "The Beast in Me" mit Claire Danes (Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.11.2025 - Film

Ariel Bronz in "Yes" (© Grandfilm) 

Einen "Schrei von einem Film" hat der israelische Regisseur Nadav Lapid mit seinem Film "Yes" geschaffen, befindet FR-Kritiker Daniel Kothenschulte, der mitgenommen und beeindruckt aus dem Kino kommt. Tabus ignoriere Lapid konsequent, wenn er die Zerrissenheit der israelischen Gesellschaft nach dem 7.Oktober zeige: "Auch dem Auftrag, die israelische Nationalhymne 'Hatikvah' in ein Propagandastück zur Auslöschung der Palästinenser umzuschreiben, stimmt der Protagonist namens 'Y', von Hause aus ein Jazz-Pianist, nach kurzem Zögern zu. Man fühlt sich an den Auftakt von Sorrentinos 'La Grande Bellezza' über das Rom der Berlusconi-Zeit erinnert, jener schrillen Satire, die ihrerseits Fellinis 'La Dolce Vita' in einen grellbunten Zerrspiegel projiziert hatte." 

Eine "schrille Satire" sieht auch taz-Kritiker Tobias Obermeier in dem Film, der in seiner Überzeichnung die Absurdität des Kriegsalltags treffend darstelle: "Der Alltag in Tel Aviv wirkt schizophren. Yud bringt den Sohn in die Kita, Yasmin arbeitet im Tanzstudio, während wenige Kilometer entfernt der Gazastreifen in Schutt und Asche gelegt wird. Push-Benachrichtigungen über Bombardements, Tote und Verletzte krachen wie Raketen in den Alltag hinein. Zugleich ist die Regierungspropaganda allgegenwärtig. 'Die Armee lügt nicht', redet sich Yud ein. Der Ausweg aus dem Wahnsinn ist permanente Zerstreuung, Rastlosigkeit, der Zwang zum Eskapismus." 

Eigentlich wollte er nach seinem Film "Synonyme" (unsere Resümees), der bei der Berlinale 2019 den Goldenen Bären gewann, keinen Film mehr über Israel machen, erklärt Nadav Lapid im Tagesspiegel-Interview mit Andreas Busche. Aber der 7. Oktober machte es für ihn notwendig, einerseits den Schmerz zu verarbeiten, und den Israeli gleichzeitig den Spiegel vorzuhalten: "Die israelische Gesellschaft huldigt einem Kult der Normalität. Die Israelis halten das für eine Tugend. Als wir noch Schüler waren, feierten wir oft Partys an Orten, an denen zuvor Terroranschläge verübt worden waren. Wir dachten, das sei mutig. Ich denke, dass der Versuch, das Unnormale zu normalisieren, eines der größten Probleme der israelischen Gesellschaft darstellt: die abnormalen Dinge, die uns widerfahren sind, aber vor allem die abnormalen Dinge, die wir anderen antun."

Weiteres: In der FAZ gratuliert Maria Wiesner der Schauspielerin Whoopi Goldberg zum Siebzigsten. Besprochen werden Lynne Ramsays Psychodrama "Die my love" (FR), Ken Cuperus' Serie "Mistletoe Murders" (FAZ) und Edgar Wrights Verfilmung von Stephen Kings Roman "The Running Man" (FAZ).
Stichwörter: Lapid, Nadav, Israel Hamas

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.11.2025 - Film

Außer Rand und Band: Jennifer Lawrence in Lynne Ramsays "Die, My Love"

Ambivalent fallen die Reaktionen auf Lynne Ramsays "Die, My Love" aus, der diese Woche in den deutschen Kinos anläuft. Kraftvoll ist die Geschichte eines jungen Paares, dessen Liebesglück nach der Geburt eines Sohnes zerbricht, durchaus, findet Andreas Kilb in der FAZ. Vor allem Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence ist außer Rand und Band. Viele tolle Szenen hat die unter anderem nachts durch Wälder streifende und sich ums Haar ins Koma saufende Hauptfigur. Solche Momente sind zwar "großes Kino, aber in 'Die My Love' erschlagen sie sich gegenseitig, weil Lynne Ramsay es versäumt, sie in eine Erzählung einzufügen. Wenn Grace an postpartaler Psychose leidet, krankt Ramsays Film an akuter Formlosigkeit. Er entfaltet die Tragödie einer scheiternden Liebe nicht, er haut sie uns um die Ohren. Gegen diese Bilderprügelei bleibt auch Jennifer Lawrence machtlos."

Arabella Wintermayr hingegen ist in der taz sehr angetan von einem Film, der "nicht verstanden, sondern ertragen" werden will. Sehr gern taucht sie ein in einen Film, "der kompromisslosen Übersetzung innerer Zustände in Bilder und Klänge, in eine Form von Kino, die das Unsagbare nicht erklärt, sondern fühlbar macht. Lynne Ramsays Film stemmt sich gegen die Sprachlosigkeit ebenso wie gegen die Bequemlichkeit des sinnhaften Deutens - und findet in der Verzweiflung seiner Protagonistin eine eigene, wilde Form der Wahrheit." Für die SZ bespricht Kathleen Hildebrand den Film.

Außerdem: Daniel Klaus schreibt in der taz über "Filme gucken wie ein Profi". Ebenfalls in der taz denkt Annekathrin Kohout über die medialen Deutungskämpfe um die Schauspielerin Sydney Sweeney nach. Valerie Dirk stellt im Standard Überlegungen zur Spoiler-Angst in der Filmkritik an. Silvia Bahl unterhält sich im Filmdienst mit den Filmemachern Patricia Hector und Lothar Herzog über deren Dokumentarfilm "Das Ungesagte". Judka Strittmacher ärgert sich in der Berliner Zeitung über Kinogänger, die in Filmen über die NS-Zeit Popcorn verzehren. Besprochen wird der ARD-Thriller "Verschollen" von Daniel Harrich (FAZ).
Stichwörter: Ramsay, Lynne, Die, My Love

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.11.2025 - Film

Im Standard macht sich Valerie Dirk Gedanken darüber, wann der Filmkritiker zum Spielverderber wird: "Es bleibt ein Dilemma. Im schlimmsten Fall wird eine vorsichtige Kritik zum reinen Werbetext. Im besten Fall enthält sie eine Handvoll interessanter Beobachtungen, ohne zu viel zu verraten. Eine detaillierte Analyse wird aber durch den Spoiler-Maulkorb verunmöglicht. 'Der Aufstieg der spoilerfreien Kritik scheint eine Abkehr von der Kritik als Kunstform und eine Hinwendung zur Kritik als Instrument des Fan-Marketings zu sein', schreibt dazu Noah Berlatsky in der Los Angeles Review of Books. ... Es bleibt somit ein Wiglwagl. Einerseits möchte man als schreibende Person keine inhaltsleeren Kritiken schreiben, andererseits das Spiel mit der Spannung nicht verderben. Ein bisschen spoilern sollte also erlaubt sein, oder?"

Dafür wird Kritik heute immer gefühliger: "Der Filmexperte fühlt sich 'nicht abgeholt', die Opernkennerin von der Inszenierung gar 'alleingelassen'", schaudert Kirstin Warnke in der FAZ. "Diese unaufdringliche, fast kindlich-träumerische Art des Begehrens soll also herhalten für einen so feigen, selbstentlastenden Kunstgriff? Einen, der Dominanz tarnt durch Empfindsamkeit, was darüber hinaus den Kritiker selbst unangreifbar macht ('Ich sage ja nur, was ich fühle'). Die schonend-sanfte Formulierung, eingeweicht im Konjunktiv II und gern ergänzt durch ein 'Ich persönlich' (ja, wer denn sonst? Die neuseeländische Löffelente?), unterstellt dem Gegenüber nicht nur übermäßige Krankbarkeit, schafft einen emotionalen Airbag und entzieht sich der Verantwortung."

Weiteres: In der taz berichtet Fabian Tietke von der Duisburger Filmwoche. Und Yelizaveta Landenberger berichtet in der FAZ vom Cottbuser Filmfestival für osteuropäisches Kino.
Stichwörter: Filmkritik, Kritik

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.11.2025 - Film

Josef Hader und  Sigi Zimmerschied in "Sturm kommt auf." Foto: ZDF/Fabio Eppensteiner


In Matti Geschonnecks ZDF-Film "Sturm kommt auf" spielt der Kabarettist und Schauspieler Josef Hader den Juden Julius Kraus, der durch den aufkeimenden Nationalsozialismus in einem kleinen österreichischen Dorf bedroht wird. Im Zeit-Online-Interview mit Arno Makowsky unterhält sich Hader über sein Rollenprofil (introvertiert und mit "einer gewissen Lakonie") und die akutelle politische Situation: "Ich finde, wir müssen versuchen, aus dem gegenseitigen Verurteilen herauszukommen. Die Leute in meinem Heimatdorf sagen, dass sie bestimmte Themen vermeiden, damit man sich nicht zerstreiten muss. Die reden lieber irgendwas Unverbindliches, damit sie nicht sagen müssen: Du bist ein kompletter Depp. Ich bin dafür, dass man eine klare Haltung hat, aber miteinander redet. Die wechselseitige Empörung ist der Brennstoff, mit dem sich die Konflikte immer weiter erhitzen." 

"Vertraut und trotzdem schockierend" findet Judith von Sternburg den Film, wie sie in der FR festhält: "Das Böse gewinnt das Spiel auf ganzer Linie (...) Weil nackte Gewalt und Einschüchterung immer funktionieren, wenn die Gegenwehr nicht ganz enorm ist."

Weitere Artikel: In der FAZ gratuliert Dietmar Dath dem Regisseur Roland Emmerich zum Siebzigsten. Für die taz resümiert Wilfried Hippen die Nordischen Filmtage Lübeck. In der NZZ schreibt Marion Löhndorf über die zahlreichen Verfilmungen des bewegten Lebens Richard Burtons.  

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.11.2025 - Film

Skeptikerin Carol (Rhea Seehorn)


Alle schauen "Pluribus". Zumindest in den deutschen Feuilletons führt heute kein Weg an der soeben auf Apple TV erschienenen neuen Serie des "Breaking Bad"-Erfinders Vince Gilligan vorbei. Gilligans neuer Streich spielt in einer Zukunft, in der die Menschheit weitgehend gentechnisch gleichgeschaltet ist. Nur wenige aufrechte Individuen halten noch durch, darunter eine Bestsellerautorin namens Carol (Rhea Seehorn). Richard Kämmerlings ist in der Welt ziemlich angetan: "Nach der rasanten und etwas klamaukigen Auftaktfolge findet 'Pluribus' schnell eine Spur, die irgendwo zwischen Mystery-Klassikern wie 'Lost', 'Westworld' oder 'Severance' und den großen moralischen Fragen liegt, wie sie Gilligan auch in seinen genredefinierenden Meisterserien (…) gestellt hat. Wäre der Verlust der Individualität nicht ein angemessener Preis für eine rundum glückliche, wenngleich uniforme Welt ganz ohne Kriege, Kriminalität und Gewalt? Ist der Egoismus der Einzelnen nicht die Ursünde der Menschheit und wäre die Abschaffung des Ich (wie ihn ganze Weltreligionen predigen) die Rettung?"

Allzu viel, stellt Matthias Kalle auf Zeit Online klar, dürfen Rezensionen aufgrund eines Presseembargos gar nicht verraten über "Pluribus". Was er trotz allem schreiben darf, liest sich gleichwohl ziemlich faszinierend: "Die Serie ist keine Dystopie klassischer Machart, die Bedrohung ist nicht repressiv, sondern höflich. Überangepasst, rational, verständnisvoll ist die Sprache des Kollektivs - wie die einer künstlichen Intelligenz, die gelernt hat, dem Menschen möglichst nie zu widersprechen. Das Unheimliche entsteht auch nicht durch Gewalt, sondern durch Konsens, durch das absolut Gute." Und: "Selten ist man beim Schauen einer Serie so ratlos gewesen, was als Nächstes passieren könnte." In der FAS schreibt Harald Staun über die Serie, in der BlZ Patrick Heidmann.

Weiteres: Mina Marschall blickt in der FAZ zurück auf den ersten "Twilight"-Film. Jan Küveler spricht in der Welt mit Matthias Schweighöfer über dessen Rolle im neuen Film "Das Leben der Wünsche". Ueli Bernays und Tobias Sedlmaier unterhalten sich in der NZZ mit dem Musiker Dino Brandão und dem Regisseur Moris Freiburghaus über deren Psychiatrie-Film "I Love You, I Leave You".

Besprochen werden die vierte Staffel der Serie "The Witcher" (taz), Christian Petzolds "Miroirs No. 3" (Standard), die zweite Staffel der Serie "Maxton Hall" (Zeit Online, Welt, FAZ), Kleber Mendonça Filhos "The Secret Agent" (Zeit Online), Neele Leana Vollmars "Dann passiert das Leben" (FAZ), Guillermo del Toros "Frankenstein" (BlZ) und das ARD-Dokudrama "Nürnberg 1945" (Welt).
Stichwörter: Pluribus, Gilligan, Vince