Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.05.2025 - Architektur

Niklas Maak teilt in der FAZ Impressionen von der 19. Architekturbiennale in Venedig. Vom deutschen Pavillon ist der Kritiker schwer beeindruckt: Das Thema Klimwandel wird hier nicht anhand neutraler Statistiken verhandelt, sondern "wie ein Thriller". Man kann sogar am eigenen Leib erfahren, wie sich städtische Überhitzung auf den Körper auswirkt: "Solarstromgeneratoren auf dem Dach betreiben eine Heizanlage, die eine von Metall- und Glasfassaden gesäumte Straße bei Sommerhitze simuliert, man kann sich selbst auf Wärmekamerabildern beobachten, wie man einen knallroten Kopf bekommt und die Farbe eines gekochten Hummers annimmt." Aber, die Kuratoren Nicola Borgmann, Elisabeth Endres, Gabriele Kiefer und Daniele Santucci zeigen Maak auch, wie es anders sein kann: "Im linken Raum sieht man Lösungen; dort weht dank offener Fenster ein kühler Wind, man kann unter hohen Hainbuchen sitzen, unter denen es, wie eine Legende an der Wand erklärt, bis zu zehn Grad kühler ist als auf einem leeren Platz; dazu gebe ein Baum bis zu 400 Liter Wasser an seine Umgebung als feuchten Dunst ab."

Auch Peter Richter ist in der SZ überzeugt vom deutschen Konzept. In der Hauptausstellung, die der Architekt Carlo Ratti kuratiert hat, bekommt er außerdem eine Fülle an Ideen zum Städtebau der Zukunft serviert: "Konkret zeigt Carlo Ratti Bautechniken und Materialien, die der Natur abgeschaut sind. Da sind Steine, die von Bakterien zum Dampfen gebracht werden, da schwimmen Wäldchen auf Booten in der Lagune, und da sind ganze Armeen von 3-D-Druckern am Werk, die Häuschen auf Dächer aufpfropfen, Plastik recyceln, historische Steinmetztechniken schneller hinkriegen als Steinmetze. Roboter surren, künstliche Intelligenzen lernen vor sich hin, aber auch die hängende Brücke der Waldbeschützer vom Hambacher Forst hängt hier, als soziale Protestarchitektur."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.05.2025 - Architektur

Ulf Meyer besucht für die NZZ den Neubau des Musée des Beaux-Arts in Rennes, entworfen vom Büro Titan aus Nantes, das mitten in einem strukturschwachen Stadtteil steht und nicht die Bewohner zur Kunst, sondern die Kunst zu den Bewohnern bringen soll: "Der Kontrast zwischen den dunklen Räumen mit ihrem höhlenartigen Beton, aus dem die Wände bestehen, und der hellen Galerie in der unteren Etage gehört zur wirkungsvollen Szenografie des neuen Museums. Die Straßenfassade aus Glasbaustein erinnert nicht nur an die berühmte Maison de Verre in Paris. Ein rundes Oculus lässt zusätzliches Oberlicht in den Saal fallen. Ein Oberlichtband aus rahmenlosem Glas erlaubt es Besuchern, anderen beim Schauen zuzuschauen. Den Kontrast von roh und fein spielen die Architekten auch bei der Wahl der Materialien aus: Der herbe, graue Beton ist sandgestrahlt, die halbrunde Wendeltreppe und der runde Fahrstuhlturm spielen ebenfalls mit der Beton-brut-Ästhetik. Die ausgestellten Kunstwerke wirken in diesem Interieur umso delikater."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.05.2025 - Architektur

In der FAZ gibt Hannes Hintermeier ein Update zum Streit um die geplanten 155 Meter hohe Türme, die der Münchner Stadtrat auf dem Gebiet der alten Paketposthalle trotz Bürgerentscheid bauen will (unser Resümee): "In seiner Sitzung am Mittwoch hat der Stadtrat auf seiner Planungshoheit bestanden und entschieden, das Bürgerbegehren nicht zuzulassen."
Stichwörter: Paketposthallen-Areal

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.04.2025 - Architektur

Im historischen Berliner Stadtteil Alt-Britz lässt die landeseigene Wohnbaugesellschaft "Stadt und Land" von ZRS Architekten und Bruno Fioretti Marquez "zwei im Grundriss identische fünfgeschossige Wohnbauten mit je 18 Mietwohnungen" bauen, eine aus Holz, die andere aus Ziegeln. Es ist ein Experiment um festzustellen, "wie viel CO2 durch die Verwendung von ökologischen Baustoffen im Vergleich zu konventionellen Materialien" wie Stahl und Beton eingespart werden kann, weiß Alan Posener in der Welt. Fest steht schon mal, dass die künftigen Mieter auf einiges verzichten müssen: "Auf eine abgetrennte Küche etwa und auch auf große Möbel, denn die Dreizimmerwohnungen sind 66,4 Quadratmeter klein, womit auf jeden Bewohner 21 Quadratmeter kommen, etwa die Hälfte des in Berlin üblichen Raums. Dafür sind sie so geplant, dass Wohngemeinschaften oder große Familien zwei Wohnungen mittels eines Mauerdurchbruchs leicht zusammenlegen können. Aus ökologischen Gründen wurde außerdem auf Keller und Tiefgarage verzichtet - hier hätte, um Feuchtigkeit zu verhindern, massiv Beton zum Einsatz kommen müssen." Auf der Website von ZRS gibt es viele Fotos.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.04.2025 - Architektur

Selbst wenn die großen Stadtentwürfe von Georges-Eugène Haussmann in Paris, Ildefons Cerdà in Barcelona oder Otto Wagner in Wien nur teilweise oder kaum umgesetzt wurden - sie hatten zumindest Visionen, seufzt in der NZZ der Architekt Vittorio Magnago Lampugnani, der sich eine präzise Planung unserer Städte heute wünschen würde: "Denn unsere Städte müssen nicht nur die Zunahme der Bevölkerung aufnehmen, sondern auch deren erhöhte Bedürfnisse: an Wohnraum, an Freiraum, an sozialer Infrastruktur, an Mobilität, an ökologischen Ausgleichsflächen. Diese können nicht auf jedem Areal vollständig erfüllt werden. Es gilt, die für die spezifischen Anforderungen kongenialen Orte zu finden und Synergien zu schaffen zwischen den einzelnen Grundstücken und Quartieren. Besonders wichtig sind dabei die öffentlichen Räume, die Plätze, die Straßen und Alleen, die Parkanlagen. Sie können die einzelnen Stadtteile miteinander verknüpfen, räumlich und sozial, müssen allerdings entsprechend grenzübergreifend angelegt werden."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.04.2025 - Architektur

Nur eine Handvoll Büros weltweit ist auf "Erlebnisarchitekur" in Zoos spezialisiert, die Tiere in Simulationen ihrer Lebensräume inszeniert. Eines davon ist die Agentur Dan Pearlman, deren Mitbegründer Kieran Stanley Petra Ahne für die FAZ getroffen hat. Er zeigt ihr das geplante Konzept für den Frankfurter Zoo, aber Ahne bleibt skeptisch, denn die "unnatürliche Voraussetzung von Gefangenschaft" bleibt: "Über die positive Wirkung solcher 'Verhaltensanreicherung' ist vergleichsweise viel bekannt, etwa durch die Messung von Stresshormonen. Allgemeinere Aussagen über das Befinden vor allem kognitiv hoch entwickelter Tiere, die natürliche Verhaltensweisen - Nahrungssuche, Paarung, das Durchstreifen von Revieren - nur sehr eingeschränkt ausleben können, sind schwerer zu treffen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.04.2025 - Architektur

Norman Foster. JP Morgan Tower. Bild: Foster + Partners.
Ob der im Auftrag der Firma JP Morgan von dem inzwischen 89-jährigen Norman Foster entworfene 60-stöckige Bankenkoloss in New York noch zeitgemäß ist, ist für den NZZ-Kritiker Ulf Meyer ebenso fraglich wie die Tatsache, ob dafür das von der Architektin Natalia de Blois in den 1960ern gebaute Union Carbide Building abgerissen werden musste. Immerhin: nachhaltig soll der Bau sein, weil der elektrische Strom zum Betrieb des Turms aus bestehenden Wasserkraftwerken kommt. Und dem ästhetischen Reiz kann sich Meyer auch nicht entziehen: "Der Turm verjüngt sich nach unten. Riesige diagonale Stahlstreben stemmen den Turm in die Höhe und prägen auch dessen Fassaden. Sie steifen das Gebäude aus und geben ihm Stabilität. Sie erinnern dabei an die späten sechziger Jahre, an Bauten wie der John Hancock Tower in Chicago, die derlei ablesbare Tragwerke zu ihrem ästhetischen Höhepunkt führten. Bei Foster tragen 24 gigantische Stützen die Lobby und die Etagen darüber, die sich durch Rücksprünge im Westen und im Osten zur Spitze hin elegant verjüngen. Das Hochhaus, größer als das Empire State Building, balanciert wie eine Ballerina auf Zehenspitzen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.04.2025 - Architektur

Hanno Rautenberg bringt in der Zeit einige launische Anmerkungen zu Hamburgs neuem Überseequartier unter. Ein regelrechtes Großdesaster der Architektur wurde hier verbrochen: "Selbst bekannten und eigentlich guten Architekturbüros wie Sobek, Hild und K oder Lederer Ragnarsdóttir Oei ist es im neuen Überseequartier nicht gelungen, dem ökonomischen Maximierungsdruck eine einigermaßen unpeinliche Form zu verleihen. Besonders blamabel fallen die sogenannten Arkaden aus, die zur Elbe hin den Eindruck erwecken, dass Hamburg nun mit Venedig und seinem Dogenpalast konkurrieren wolle. Eine seltsam verquere Idee und auch noch schlecht ausgeführt: Denn hinter den Arkaden verläuft ein Gang, der eigentlich kein Gang ist, sondern eher eine Notgasse, so schmal, dass man immerzu fürchten muss, gegen die nächste sich öffnende Tür zu rennen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.04.2025 - Architektur

In der SZ ist Gerhard Polt sehr traurig, dass der Münchner Stadtrat auf dem Gebiet der alten Paketposthalle trotz 48 500 Münchner Gegenstimmen zwei je 155 Meter hohe Türme bauen will: "In den Hochhaussiedlungen an der Grenze zur Peripherie leben keine Tscharlis oder Monaco Franzes. Die wachsen nicht im 24. Stockwerk eines Towers. Ja, wo ist sie denn hin, die Gemütlichkeit? In Schwabing ist sie auf jeden Fall auch nicht mehr."

Und: In "Bilder und Zeiten" (FAZ) schreibt Jens Malling über die Metrostationen in Moskau und Leningrad aus sowjetischer Zeit.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.04.2025 - Architektur

Die Synagoge im Münchner Glockenbachviertel war das letzte Gebäude seiner Art, das vor der Machtübernahme Hitlers in Deutschland errichtet wurde. Mehr oder weniger durch Zufall überlebte es die Naziherrschaft und den Zweiten Weltkrieg, wurde aber später lange sich selbst und dem Verfall überlassen. Das soll sich nun ändern. Nils Minkmar berichtet in der SZ vom Stand der Restaurierungsarbeiten. Messen lassen müssen sie sich an der herausragenden Qualität des Originalbaus: "Mit besonderen Licht- und Farbeffekten, die den Raum auf eine Weise inszenieren, die weit über die schlechte Zeit seiner Entstehung hinausweisen. (Architekt Gustav) Meyerstein hatte auch in Tel Aviv an der Weißen Siedlung gearbeitet, und an manchen Ecken seines Gebäudes fühlt man sich dorthin transportiert; so hell und hoffnungsvoll fühlt es sich an, obwohl es für das München der Dreißigerjahre gedacht war. Dieser kühnen Vision gilt es nun, gerecht zu werden." Ein Meilenstein ist nun laut Minkmar erreicht: der Prachtvorhang für die Thorarollen, der aus originalen Arbeiten von Gunta Stölzl besteht, wurden geliefert.

Ebenfalls in der SZ macht sich Gerhard Matzig Gedanken über die Proteste von Klimaschützern gegen Zementproduktion. Verstehen kann er die Aktivisten schon, der Ruf des Zements als Klimakiller ist alles in allem verdient; allein, ein wenig schlägt sein Herz schon auch für den Rohstoff: "Von der Zementkuppel des Pantheons in Rom aus der Zeit Kaiser Hadrians bis zu den fantastischen Betonschöpfungen der Moderne sind Zement und Beton nicht wegzudenken aus der Welt des Bauens."