Klappentext
Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit. Sie stammen aus dem Bildungsbürgertum Dresdens, die Männer und Väter fallen in den Weltkriegen. Zum schlimmsten Zerwürfnis kommt es nach der Übersiedlung in den Westen, als die hochintelligente, labile Enkelin Monika in den Sechzigerjahren gegen alle Widerstände ein uneheliches schwarzes Kind zur Welt bringen will. Die Autorin selbst ist dieses Kind. Menschlich, eindringlich und mitreißend macht Miriam Carbe ein ganzes Jahrhundert erlebbar.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 29.05.2026
Die Literaturgeschichte ist seit eher geprägt von männlichen Genealogien, weiß Rezensentin Undine Fuchs. Mit "Unerwünschte Töchter" bereichert Miriam Carbe die Literatur nun um eine weitere weibliche Ahnenerzählung, ähnlich wie Sasha Marianna Salzmann und Olga Grjasnowa. Seit einigen Jahren schon, erklärt Fuchs, bemühen sich diese Autorinnen, den Fokus der Geschichte(n) von den Vätern auf die Mütter und deren Erbe zu verschieben. In Carbes Fall besteht dieses Erbe aus einem Kirschholzschrank, einer Sammlung von Notiz- und Tagebüchern, ein paar Gewohnheiten, einigen Grundwerten und vor allem: in der großen Liebe und Sehnsucht zum Erzählen und zur Literatur. Über drei Generationen von Frauen wird dieses Erbe weitergereicht, lesen wir, überdauert zwei Weltkriege, die Teilung Deutschlands und die Wiedervereinigung bis in die Gegenwart. So schreibt Carbe mit ihrem Buch nicht nur Familiengeschichte, sondern macht auch ein Stück deutsche Historie erfahrbar. Behutsam verbindet sie dazu die Erinnerungsfragmente ihrer Vorfahrinnen, tastet nach Gemeinsamkeiten und Brüchen und überbrückt diese bewusst mit Fiktionen, so Fuchs. Dabei verbindet sie auf beeindruckende Weise Innen- und Außenperspektive, indem sie immer wieder aus der Ich-Perspektive auf die fiktionale Ebene in die Perspektive ihrer Vorfahrinnen wechselt. Einziger Kritikpunkt, wenn man den einen nennen müsste: Dass gerade Miriams Mutter verhältnismäßig wenig Raum in der Erzählung bekommt - jene Frau, deren Lebensgeschichte wohl die komplexeste und deren Verhältnis zu ihren Verwandten wohl das ambivalenteste ist, so Fuchs. Dennoch beweist Carbe mit diesem Debüt ein großes Erzähltalent und zeigt einmal mehr, dass es sich lohnt, auf die leisen Stimmen zu lauschen, so die berührte Rezensentin.
Themengebiete
Kommentieren

