Dos gezang fun vilner geto. Lieder aus dem Wilnaer Ghetto
gesammelt von Shmerke Kaczerginski

Hentrich und Hentrich Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783955656645
Gebunden, 282 Seiten, 29,90 EUR
ISBN 9783955656645
Gebunden, 282 Seiten, 29,90 EUR
Klappentext
Herausgegeben von Dieter Koller und Sebastian Wogenstein. Mit QR-Codes zu Aufnahmen der Lieder. 1947 erschien in Paris ein großformatiges, 55-seitiges Heft unter dem Titel "Dos gezang fun vilner geto", herausgegeben von dem Dichter und Partisan Shmerke Kaczerginski. Es enthielt eine Sammlung von 37 Liedern, die im Ghetto von Wilna in der Zeit der deutschen Besatzung und der Shoah entstanden und die die Erfahrungen der Bevölkerung beschreiben. Das Heft war auf Jiddisch geschrieben, d. h. in hebräischer Schrift. Nur 100 nummerierte Exemplare wurden gedruckt. Einige dieser Lieder sind heute weltberühmt, andere kaum bekannt. Dieter Koller und Sebastian Wogenstein haben die Lieder mit Noten in dieser kommentierten Neuedition transkribiert, in ein singbares Deutsch übertragen und die Schicksale der genannten Personen sowie die Geschichte der Orte sorgfältig recherchiert. Zusätzliche Materialien und Abbildungen geben einen bewegenden Eindruck vom entschlossenen Widerstand gegen die Besatzer, die mit der Bevölkerung auch die vielfältige jüdische Kultur Wilnas auslöschen wollten.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2025
Rezensentin Susanne Klingenstein kann es nur begrüßen, dass diese Sammlung jiddischer Lieder nun auch in einer gelungen deutschen Übersetzung erscheint: Die 37 Lieder sind im Ghetto Wilna entstanden, unter Jüdinnen und Juden, die der Vernichtung ihre Kultur entgegengesetzt haben. Gesammelt wurden sie von Shmerke Kaczerginski, der sie sich von den Überlebenden vorsingen ließ, lesen wir. "Sie müssen sein wie Fotografien", habe er erklärt, der dokumentarische Gedanke sei fast wichtiger gewesen als der künstlerische. Gedruckt wurden sie 1947 in Paris, im Jahr darauf erschien in New York eine Neuauflage mit Ergänzungen und Varianten, heute sind Lieder wie "Zog nit keynmol az du geyst dem letstn veg" Teil des "fundamentalen jüdischen Kulturschatzes". Motivisch beschäftigen sich viele der Beiträge mit der Fluidität des Lebens und seiner Kontinuität, das wird für Klingenstein sowohl im jiddischen Text als auch in der gelungenen deutschen Übersetzung emotional und musikalisch nachvollziehbar - auch Tiefgang und Witz der Originale sowie die Biografien ihrer Schöpfer werden für sie durch die beigefügten Erläuterungen nachvollziehbar
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