Tomas Venclova

Vilnius

Eine Stadt in Europa
Cover: Vilnius
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518124734
Taschenbuch, 242 Seiten, 10,00 EUR

Klappentext

Aus dem Litauischen von Claudia Sinnig. Mit Fotografien von Arunas Baltenas. Einer der bedeutendsten osteuropäischen Lyriker und Intellektuellen, Tomas Venclova, verfasst einen Essay über Vilnius. Vermutlich muss man jahrzehntelang im Exil leben, um die verlorene Welt der eigenen Herkunft mit soviel Liebe, Gelehrsamkeit und Überzeugungskraft beschreiben zu können. Die Geschichte von Vilnius ist für Venclova die Geschichte Europas en miniature. Der Reichtum seiner sprachlichen, kulturellen, religiösen Traditionen, wie er sich in der Architektur und Geistesgeschichte der Stadt spiegelt, wurde ihm ein Lebensthema:
ähnlich wie Joseph Brodsky und Czesław Milosz, mit denen er befreundet war, hat er an amerikanischen Universitäten osteuropäische Literatur und Kulturgeschichte gelehrt, um das Gedächtnis an eine Welt wachzuhalten, die hinter dem Eisernen Vorhang verschwunden war. Heute nimmt Venclova, der frühere sowjetische Dissident und Vertreter der litauischen Helsinki-Gruppe in den USA, "sein Vilnius" kritisch in Augenschein, die Hauptstadt eines neuen europäischen Landes. Und er erzählt von Menschen, deren Wirken der Stadt einst die Seele gaben. In diesem Sinn ist er ihr Biograf geworden...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.05.2007

Als instruktive Tour de force durch die Geschichte von Vilnius würdigt Rezensentin Judith Leister dieses Buch des Lyrikers und früheren Yale-Professors Tomas Venclova. Machtverhältnisse und Grenzziehungen findet sie dabei ebenso behandelt wie Topographie, Architektur, Religion, Universität, Freiheitsbewegungen und die Künste. Besonders unterstreicht sie die Ausführungen über die seit dem Mittelalter multiethnische Zusammensetzung der Einwohner und der daraus resultierenden bunten Manigfaltigkeit des Stadtlebens, die Venclova auch weiterhin bewahrt wissen will. Die erstaunliche Sachkenntnisse des Autors hätten ihres Erachtens allerdings einer etwas klareren thematischen Eingrenzung bedurft. So pendelt das Buch für sie ein wenig unentschieden zwischen historischem Werk, Reiseführer und Essay hin und her. Am Spannendsten findet Leister die Auseinandersetzung mit den verschiedenen nationalen Mythen. Das Verdienst des Autors sieht die Rezensentin darin, "dass er allen Völkern von Vilnius gleichermaßen ein Denkmal setzt".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.02.2007

Die "Sehnsucht nach Vilnius" spricht für Cord Aschenbrenner aus diesem Buch über die Stadt und ihre Geschichte, das der Dichter Tomas Venclova vorgelegt hat. Ein Buch, das seines Erachtens auch der Empathie des Lesers bedarf. Die des Rezensenten hat es jedenfalls. Geradezu schwärmerisch schildert er seine Eindrücke von Vilnius, die ihm Venclovas einfühlsamer Blick auf die historischen wie architektonischen Schichten der Stadt vermittelt hat. Er berichtet über die Lage der Stadt, die Nationalitäten und Religionen ihrer Bewohner, das Wüten der Deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg, die litauische Sprache und die südliche Anmutung des Stadtbilds. Sein Fazit: ein ebenso "geistvolles" wie "kenntnisreiches" Buch.
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