Aus dem Litauischen von Claudia Sinnig. "Wir sind aus Sibirien zurückgekehrt. Ich bin zwei." Der Einbruch des Politischen ins Private verursacht den ersten Bruch im Leben des Litauers Eugenijus Ališanka. In seinem neuen Essayband wird über die nachfolgenden fünf Jahrzehnte weniger linear und faktografisch, als vielmehr mit einer faszinierenden Fabulierkunst erzählt. Ausgehend von Lebenserinnerungen in seiner Heimatstadt Vilnius erkundet er mit feinsinniger Wahrnehmung Städte und Räume, erzählt von Abenteuern und Menschen und webt mit erfrischend abgründiger Sprache phantasiereiche assoziative Netze. Das Buch lässt sich auf unterschiedlichen Ebenen lesen: als Lebensgeschichte des Autors, als existenzielle Reise zu sich selbst oder als kulturelle Selbstverortung zwischen Herkunft und globaler Welt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.03.2017
Judith Leister stellt fest, dass der Lyriker Eugenijus Alisanka seine litauischen Landsleute in seiner Essaysammlung nicht gerade kritisch betrachtet, wenn er die Brüche untersucht, die das vergangene Jahrhundert in die Lebensläufe eingezogen hat. Subjektiv, dabei hoch elaboriert erscheint ihr der Zugang des Autors, teils autobiografisch, teils literarische Bezüge herstellend, wenn Alisanka von der Rückkehr der Eltern aus der sibirischen Verbannung in die Heimat Vilnius berichtet. Eine "normale" spätsowjetische Sozialisation mit ideologischer Prägung, Selbstgebranntem und Sommern auf dem Land, dem Militärdienst in Murmansk und den Emanzipationsbestrebungen Litauens kann ihr der Autor nachvollziehbar vermitteln.
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