Yasar Kemal

Der Granatapfelbaum

Erzählung
Cover: Der Granatapfelbaum
Unionsverlag, Göttingen 2002
ISBN 9783293003026
Gebunden, 123 Seiten, 14,80 EUR

Klappentext

Aus dem Türkischen von Cornelius Bischoff. Der amerikanische Marschall - so nennen ihn die Landarbeiter - hat nach dem Zweiten Weltkrieg gemäß seinem Plan die Türkei mit tausenden von funkelnden, riesenhaften Traktoren überschwemmt. Seither ist in der Cukurova-Ebene nichts mehr so wie früher. Die Großgrundbesitzer sind vernarrt in ihre neuen Maschinen und glücklich, dass sie sich mit den Tagelöhnern aus den Bergdörfern nicht mehr herumschlagen müssen.

 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.12.2002

"Einmal mehr erzählt", "einmal mehr beschreibt" - mit diesen Formulierungen macht Rezensent Volker S. Stahr deutlich, dass die Erzählung "Der Granatapfelbaum" des "brillanten Barden Anatoliens", wie ihn Stahr tauft, "einmal mehr" (klingt irgendwie nach einmal zuviel) die immer gleiche, aber höchst eindrückliche Geschichte von Entbehrung und Not aus seiner Heimat erzählt. Fünf Männer brechen auf, um in der Sumpfwüste der Cukorova Arbeit zu suchen, müssen aber feststellen, dass längst Maschinen ihren Platz eingenommen haben. Kemals Sprache sei karg, sagt Stahr, karg wie Kemals Heimat. Für den Rezensenten hat "Der Granatapfelbaum" eine Allgemeingültigkeit, die weit über die Grenzen Anatoliens hinausweist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.11.2002

Für Clara Branco ist Yasar Kemal tief in der Tradition seiner Heimat, der Cukurova, verwurzelt. Ein "turkmenisch-kurdischer Homer", so charakterisiert sie ihn, dessen barocke Sprachfülle die Starre der türkischen Schriftsprache aufgebrochen hätte. Branco zitiert den "Figaro", für den sich die eigenen Romanciers "wie Zimmerpflanzen" neben Kemal ausnähmen. Die Heimat Kemals, die Cukorova, wo auch "Der Granatapfelbaum" angesiedelt ist, sei eine Landschaft voller Mythen und Legenden, voller Heiliger und Dichter, heißt es bei Branco; im übrigen handele es sich um eine der frühen Erzählungen Kemals, vorzüglich übersetzt. In seinen Anfängen schrieb Kemal einfach, karg und volkstümlich, so die Rezensentin, doch seien die Elemente seiner Fabulierlust und -kunst, seiner epischer Kosmos bereits angelegt. Er birgt die anatolisch-ländliche Welt der Großgrundbesitzer und Bauern, in die der technische Fortschritt Einzug hält - mit Traktoren und Desinfektionsmitteln, die den natürlichen Lebensraum der Menschen zerstören. Kemals Sympathie hat immer den Armen gegolten, schreibt Branco, und ihnen hat er den Granatapfelbaum als Symbol der Hoffnung und der Tradition gesetzt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.11.2002

Wieder porträtiert Yaser Kemal sein Land mit einer traurigen Geschichte, meint Eva-Elisabeth Fischer, nämlich einer Geschichte von "Hunger, Müdigkeit und Entbehrung". Wie ein roter Faden ziehe sich die Bedrohlichkeiten der Maschine für den Menschen durch die Erzählung. Fünf Männer versuchen, sich als Tagelöhner bei der Ernte zu verdingen. Vergeblich, da die Maschine den Menschen überflüssig gemacht habe. In Hoffnungslosigkeit und Krankheit wollen sie sich dann auf die Suche nach einem Granatapfelbaum machen, der angeblich Wunder bewirken soll. Wieder vergeblich: "Die chromglänzenden Traktoren haben die Mythen plattgewalzt." Wie gesagt: eine traurige Geschichte, die darum des Lesens aber nicht weniger wert sei.
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