Thorsten Becker

Sieger nach Punkten

Roman
Cover: Sieger nach Punkten
Rowohlt Verlag, Reinbek 2004
ISBN 9783498006204
Gebunden, 928 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Held dieser Geschichte ist Nasrettin Öztürk, Deutscher Meister im Superfedergewicht und nicht zufällig namensgleich mit Nasrettin Hoca, den Goethe den türkischen Eulenspiegel genannt hat und der selbst den völkerfressenden Timur zum Lachen brachte. In den siebziger Jahren mit seinen Eltern aus Anatolien nach Berlin gekommen, ein "Kanake", Nichtsnutz und Spieler, steht Nasrettin nun gereift im Ring zu Beausoleil bei Monaco, um dem Franzosen Sandol den Titel des Europameisters abzunehmen. Listig wartet er auf seine Chance, und während er lauert, springt die Erzählung in seine Jugend und Kindheit, ja noch weiter zurück in die Zeit seiner Ahnen und Urahnen. Prachtvolle Sultane, religiöse Eiferer und machtgierige Paschas treten darin auf, aber auch Schweinefleisch, Al Pacino und entführte Mädchen spielen eine Rolle.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.08.2004

Rezensent Christoph Bartmann bekennt, "in den letzten Jahren" keinen Roman gelesen zu haben, der derart vor Wissen strotzte wie dieses "Epos" von Thorsten Becker. Der "imposante" Roman erzählt die Geschichte von Nasrettin Özturk, dem Sohn nach Deutschland eingewanderter Türken, der sich als Boxprofi zum Europameister im Superfedergewicht hocharbeitet. Eingebunden in diese "exemplarische türkische Gastarbeitersaga" erzählt Becker "die türkische Geschichte von der Islamisierung des Landes bis zu den Reformen von Atatürk". Diesen Geschichtsabriss hat Rezensent Bartmann als das eigentliche "Hauptstück" des Romans ausgemacht und er bewundert, wie "spielend" Becker diese gewaltige Stoffmenge literarisch bewältigt hat. Bartmann erläutert den Kunstgriff dahinter ausführlich: Becker lässt den Roman nämlich "leger zwischen den Ebenen" schwenken, türkische Geschichte und Nasrettins Meisterschaftskampf werden wechselweise erzählt. Leises Unbehagen empfand der Rezensent allerdings an der überdeutlichen Parteilichkeit des "bekennenden Turkophilen" Becker; so zeige sein Geschichtsbild mitunter fragwürdige "(Miss)-Deutungen, zum Beispiel bezüglich des Genozids an den Armeniern, der hier als "Folge des armenischen Nationalismus" dargestellt werde. Rezensent Bartmann vermutet, dass hier weniger der "Historiker" spreche, sondern eher der "orientalische Geschichtenerzähler".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.02.2004

Dirk Fuhrig ist sich sicher: Wer nach Literatur "voller Ironie und feinem Humor" sucht, ist hier richtig. Ebenso alle, die sich einfach nur eine richtig gute Geschichte erzählen lassen wollen, und selbst die historisch Interessierten unter den Lesern. Denn Thorsten Becker lässt seinen deutsch-türkischen Roman auf drei Ebenen spielen: Den Rahmen bildet ein Boxkampf, in dem der Held Nasrettin Öztürk für Deutschland um die Europameisterschaft kämpft, in den Schlagabtausch geschoben ist eine Familiensaga, die von Anatolien ins Rheinland führt, und dazu taucht der Roman noch "in die lange Geschichte des türkischen Staats, der Osmanen, Seldschuken und der Janitscharen-Heere ein". Und siehe da: "Die Verknüpfung der drei Erzählebenen ist hervorragend gelungen." Auch sonst ist Fuhrig voll des Lobes und sieht "Sieger nach Punkten" allein auf weiter Flur, wenn es um das "Leben und die Kultur" türkischer Einwanderer geht. Becker sei ein "über alle Maßen origineller, geistreicher und kluger Erzähler" und komme zudem völlig ohne Klischees aus. Ein Glücksfall also, dieser Roman - "ein glänzend geschriebenes und konzipiertes Stück Gegenwartsliteratur."