Ihsan Oktay Anar

Der Atlas unsichtbarer Kontinente

Roman
Cover: Der Atlas unsichtbarer Kontinente
Ammann Verlag, Zürich 2004
ISBN 9783250600695
Gebunden, 300 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem Türkischen von Ute Birgi-Knellessen. Im Mittelpunkt des zwischen Wirklichkeit und Traum schwankenden Romans steht Arab Ihsan Efendi, der mit seinem Schiff im Konstantinopel des 17.Jahrhunderts einläuft. An seiner Seite geht der siebenjährige Alibaz, der bis zu seinem dritten Lebensjahr mit Opium vollgepumpt wurde und an Schlaflosigkeit leidet. Die beiden treffen im Haus von Ihsans Neffen ein, der gerade noch in seinen Träumen verweilt und sie auch gar nicht verlassen zu wollen scheint. Denn aus seinen Traumerfahrungen und den Kopfreisen stellt er sein Lebenswerk zusammen: den Atlas der unsichtbaren Kontinente. Ein Werk, das Sohn Bünyamin bei seinem abenteuerlichen Werdegang vom Tunnelbauer zum Bettler zum Hätschelkind des Paschas mehrfach das Leben retten soll, es aber nicht verhindern kann, dass auf der gnadenlosen Jagd nach einer unheilvollen Münze die Helden entstellt, geblendet, verstümmelt, getötet werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.05.2004

Ihsan Oktay Anar bietet nicht nur einen historischen Abenteuerroman, der durch Opulenz und Spannung besticht, sondern der in Izmir lebende und lehrende Autor hat es darüber hinaus geschafft, versichert Monika Carbe, daraus einen echt orientalischen Roman zu stricken, der vor Fabulierlust nur so strotzt. Jede Geschichte birgt eine neue Geschichte, analysiert Carbe voller Bewunderung, und doch führe jeder Seitenstrang zurück in die Fabel, wo er kunstvoll eingebunden sei. Darum störten die vielen Abschweifungen überhaupt nicht, sondern gehörten zum Grundmuster des Romans. "Der Atlas unsichtbarer Kontinente" spielt im alten Kostantiniye, dem heutigen Istanbul, das voller Ganoven, Spione, Bettler und Herumtreiber ist. Die Liebhaber historischer Romane kämen voll auf ihre Kosten, bekräftigt Carbe noch einmal, doch der Romane leiste mehr: einer der Grundgedanken der europäischen Aufklärung "Ich denke, als bin ich" werde hier mit erzählerischem Raffinement in ein "Ich träume, also bin ich" umgedeutet; eine gelungene Synthese von Okzident und Orient.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2004

Nicht wirklich überzeugt zeigt sich Rezensent Gennaro Ghirardelli von Ihsan Oktay Anars Istanbul-Roman, einer "atemlos hechelnden Aneinanderreihung von grotesken, abstrusen, wirklichen und unwirklichen Szenerien und Geschichten". Anar will für Ghirardellis Geschmack einfach zu viel und trägt insgesamt zu dick auf. Ghirardelli hält ihm zudem vor, bei all den Traumsequenzen, fantastischem Märchengeschehen, Narren- und Kriegsgeschichten, "theologischen Spekulationen und alchimistischen Spintisierereien ", die durch eine zu lose Handlung miteinander verbunden sind, den Boden der Erfahrung, auf den Gleichnisse angewiesen sind, "ohne Not" verlassen zu haben. Deswegen erscheint Ghirardelli die Geschichte "zu inkohärent, zu ideenlastig, zu fahrig und hektisch komponiert". Er fühlt sich dabei an einen ehrgeizigen Koch erinnert, der den Speisen zu viele Gewürze beimengt und sie dabei überwürzt. Ein Lob immerhin hat Ghirardelli für die Übersetzung aus dem Türkischen übrig, die sich "gut und flüssig" liest.
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