Wolfgang Ullrich

Habenwollen

Wie funktioniert die Konsumkultur?
Cover: Habenwollen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783100860040
Gebunden, 224 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Warum kaufen wir so viel, obwohl unsere Grundbedürfnisse längst befriedigt sind? Konsumgüter versprechen ein erfüllteres, glücklicheres, längeres Leben - man kann sich mit ihnen identifizieren oder darstellen, aber sie verändern uns auch. Ob Zahnbürste, Rasierer oder Auto: Produkte werden mittlerweile auf Charaktermerkmale hin angelegt, die sich auch als Ausdruck menschlicher Eigenschaften interpretieren lassen. Verschiedene Wissenschaften, von der Soziologie bis zur Neurobiologie, nehmen mit ihren Erkenntnissen Einfluss auf die Entwicklung und Vermarktung der Waren. Dadurch kommt es zu einer neuen, intimen Beziehung zwischen Ding und Mensch. Habenwollen wird erzeugt. Ein "Konsumbürgertum" ersetzt das traditionelle (Bildungs-)bürgertum. Das Buch erzählt, wie Dinge heute gemacht werden und was sie mit uns machen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2006

Längst parasitiert die Werbung an der Kunst. Sie leiht sich Werte, Phrasen und Bedeutungsprätentionen. Dies beschreibt, wie Jürgen Kaube gerne konzediert, Wolfgang Ullrich, beschlagen bis ins Detail, sehr treffend und genau. Was freilich ist von dem Phänomen zu halten? Ist das "Gerede" der Werbetypen etwa Ernst zu nehmen? Ist die "Konsumgütersphäre" gar dabei, an die Stelle der Museen zu treten? Der Rezensent ist da über die Maßen skeptisch, Wolfgang Ullrich nicht so sehr. Ja, es beschleichen Kaube angesichts der enthusiastischen Kritikenthaltung des Autors sogar ernste Zweifel, ob Ullrich nicht den "Pseudo-Soziologien und -Psychologien" der Werbung immer wieder auf den Leim geht. Ohne einen kritischen Begriff könne man da auf Dauer nicht auskommen, so der Rezensent. Und dieser - mit gutem Grund: wertende - Begriff laute nun mal "Kitsch". Da Ullrich weiter kunstgeschichtlich profund Werber beraten will, nimmt er das Wort nicht in den Mund. Hätte er besser tun sollen, meint Kaube, aber "anregungsreich" sei das Buch auch so.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.11.2006

Ruth Fühner hat zwei Bücher über den Warenkonsum und ihre Rolle als Konsumentin gelesen und hat einmal ein "mulmiges Gefühl" und einmal ein "schlechtes Gewissen" dabei bekommen. Wolfgang Ullrichs "Habenwollen" argumentiert glänzend und in mitunter sehr originellen Überlegungen für einen unbekümmerten Konsum, stellt die Rezensentin zunächst erfreut fest. Laut Ullrich sei der Warenkonsum nämlich mit dem im klassischen Weimar propagierten Kunstgenuss durchaus vergleichbar und führe genauso zur freien Entfaltung des Individuums. Am Ende aber sorgt sich Fühner, dass sie einem "intellektuellen Taschenspielertrick" auf den Leim gegangen ist, und so ist sie schließlich doch nicht so recht vom ungehemmten Konsum zu überzeugen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.11.2006

Der Einkauf spielt heute die gleiche Rolle, die ehemals Kunstgenuss hatte, weiß Rezensent Ludger Heidbrink nach der Lektüre von Wolfgang Ullrichs Auseinandersetzung mit der Faszination des Konsums. Der Kunsthistoriker Ullrich unterstreicht die große Rolle der Ästhetik in der Konsumkultur und beschreibe den Anteil, den Natur- und Geisteswissenschaft an der Ausgestaltung der Konsumkultur haben. Intelligent und elegant findet der Rezensent diese Tour d'horizon des "I shop therefore I am".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.10.2006

Instruktiv findet Robert Misik dieses Buch über die Funktionsweisen der Konsumkultur des Kulturtheoretikers Wolfgang Ullrich, auch wenn er sich bisweilen eine etwas tiefer gehende Betrachtung des Phänomens gewünscht hätte. Er räsoniert über Shopping als Weltverhältnis und rückt den emotionalen Mehrwert der Waren ins Blickfeld. Hier, in der Aufladung von Waren mit Persönlichkeit und Image, sieht er den Ansatzpunkt des Autors. Diesem gelingt es seines Erachtens zu zeigen, dass Waren dann verkauft werden, wenn ihre Ästhetik eine viele Menschen ansprechende "Identifikationsmöglichkeit" bietet. So würden Marken zum "zweiten Gesicht des Selbst". Die Folgen dieses Phänomens findet Misik detailliert geschildert. Dabei attestiert er dem Autor einen neugierigen Blick, der ohne jede "übellaunige Kulturkritik" auskommt. Allerdings gleitet ihm Ullrich insgesamt ein wenig zu sehr an der Oberfläche entlang. Die Frage, was es denn bedeute, wenn alle potenziellen Erfahrungsräume immer schon von Lifestylemarken besetzt seien, hätte der Autor seines Erachtens wenigstens aufwerfen können.