Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Klaus Bittermann. Dreißig Jahre nach dem NATO-Doppelbeschluss und dem Beginn der Friedensbewegung als nationaler Erweckungsbewegung wird ihr schärfster und klügster Kritiker Wolfgang Pohrt 65. Zwei Ereignisse, die es verdienen, mit einem Best-Of aus Wolfgang Pohrts umfangreichen Werk gewürdigt zu werden. Anfang der Achtziger schrieb Pohrt Artikel wie "Ein Volk, ein Reich, ein Frieden", der damals in der Zeit erschien und eine große Resonanz hervorrief. Aber es sind nicht nur seine Analysen der Friedens- und Alternativbewegung enthalten, sondern mit diesem Buch liegt eine umfangreiche Leistungsschau des vielseitigen Autors vor, d.h. auch seine großen Essays über Eric Ambler, Rudyard Kipling, Hannah Arendt und über Adorno.
In diesem Sammelband mit Reden und Aufsätzen von 1979 bis 1993 lässt sich Wolfgang Pohrt als scharfsinnigster Kritiker linker Ideologie entdecken, der, wenn er auch "nicht immer ins Schwarze" traf, so doch im Nachhinein erstaunlichen Durchblick bewies, findet Felix Baum. Durch seine zum damaligen Zeitpunkt überzogen wirkenden Argumentationen verschreckte er zwar gern seine Leser, seine Befunde lassen sich aber nicht so einfach vom Tisch wischen, so der Rezensent fasziniert. Besonders treffend scheint ihm der Vergleich der Hausbesetzer der frühen 1980er Jahre mit den Trümmerfrauen oder seine Polemik der Friedensbewegung als "deutschnationalem Unternehmen". Auch Pohrts Kritik an der Haltung der Linken zum palästinensisch-israelischen Konflikt kann Baum einiges abgewinnen, wenn er auch seinen Vorschlag während des Golfkriegs von 1991, Israel solle sich zur Not mit Atomwaffen verteidigen, dann doch nur als Ergebnis einer "durchgebrannten Sicherung" des Autors verstehen kann.
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