Wolfgang Kemp

Der Oligarch

Cover: Der Oligarch
zu Klampen Verlag, Springe 2016
ISBN 9783866745346
Gebunden, 176 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Eine Riege junger Männer gelangte nach dem Zerfall der Sowjetunion aus dem Stand heraus zu fabelhaftem Reichtum: die "Oligarchen". Allesamt einst Günstlinge Boris Jelzins, sind einige unter Putin inzwischen in Ungnade gefallen, der prominenteste von ihnen ist Michail Chodorkowski. Im eigenen Land fristen sie daher zumeist ein äußerst prekäres Dasein, im Westen aber dürfen sie sich als Märtyrer feiern lassen. Nicht nur der zweifelhafte Ursprung seines Aufstiegs und die ostentative Zurschaustellung und beinharte Verteidigung seines Vermögens zeichnen den Oligarchen aus, sondern vor allem der "Wille zur Yacht", die als unabdingbarer Ausweis seiner ökonomischen Potenz gilt. Um global agieren zu können, muss der Oligarch seinen Einfluss auf der internationalen politischen Bühne geltend machen, sein Sozialprestige aufbessern. Welche Mittel er dafür einsetzt, davon berichtet Wolfgang Kemp, der die glamourösen wie auch klandestinen Auftritte des Oligarchen-Jetsets seit Jahren verfolgt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.11.2016

Was einen Oligarchen ausmacht, das erfährt Hanno Rauterberg aus Wolfgang Kemps Essay: maßlose Gier natürlich, Skrupellosigkeit ebenso, eine Vorliebe für prunkvoll verschnörkelten Kitsch und nicht zuletzt eine Jacht. Im "lakonischen Plauderton" und mit "gesteigerter Freude an absurden Zahlen und surreal anmutenden Begebenheiten" legt der als Kunsthistoriker bekannte Kemp seine Beobachtungen dar und öffnet damit dem Rezensenten ein ums andere Mal die Augen - nicht zuletzt in der Einschätzung Donald Trumps (dem es für einen richtigen Oligarchen an einer Jacht mangelt).

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2016

Mit Interesse hat Rezensent Fritz Göttler diese Typologie des Oligarchen gelesen, zu der Wolfgang Kemp einen Essay aus dem Merkur ausgebaut hat. Der Oligarch, lernt der Rezensent, ist ein Großkapitalist russischer oder ukrainischer Provenienz, und sein Vermögen hat er mit einer Reihe von finanztechnischen Tricks in der wilden Umbruchszeit der Jelzin-Jahre gemacht. Gerierten sich Oligarchen zunächst jugendlich-bohèmehaft, kreuzen sie heute auf ihren riesigen Luxusyachten vor der Côte D'Azur. Die Yacht, vermerkt Göttler, dient dabei als Running Gag, denn Kemp notiere genauestens Größe und Ausstattung der Statussymbole. Was dem Rezensenten noch auffällt, ist Kemps Verzicht auf strukturelle Analysen: Der "Oligarch" ist bei Kemp nicht Teil von Wirtschaftselite, Elitekartell oder Korruptionsnetzwerk, sondern einzig und allein Person.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2016

Rezensentin Kerstin Holm lernt bei Wolfgang Kemp sämtliche Typen und Facetten des eurasischen Oligarchen kennen. Der Essay des Kunsthistorikers erläutert ihr nicht nur den "Willen zur Yacht" dieser Species und seine Hintergründe (elitäre Unsichtbarkeit), sondern mit "breitem Pinselstrich" auch den Aufstieg der Oligarchen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Dass der Autor wenig differenziert vorgeht und strittige Details einfach außen vorlässt, schmälert für Holm nicht den Verdienst des Buches, sozialökonomische Verhältnisse pointiert und witzig darzustellen.
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