Zweimal erlebte Russland im 20. Jahrhundert den Zusammenbruch seiner Staatlichkeit: 1917 den des Zarentums und 1991 den des bolschewistischen Regimes. Die Monografie des Osteuropahistorikers Leonid Luks befasst sich mit den Ursachen und stellt die Frage, warum ausgerechnet in Russland 1917 das erste totalitäre System der Moderne entstehen konnte. Luks zeigt auch die Zusammenhänge zwischen russischer und europäischer Entwicklung auf.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.12.2000
Recht wohlwollend schreibt der Rezensent mit dem Kürzel gl. über diese Gesamtdarstellung des Osteuropahistorikers Leonid Luks. Er betont, dass die Geschichte der Sowjetunion, die ja den größten Teil des behandelten Zeitraums ausmacht, auch inhaltlich im Buch weit überwiegt. Und diese Geschichte erscheine dabei als ein langer Leidensweg der russischen Bevölkerung und der zahlreichen Minderheiten im Lande. Schon Lenin werde dabei von Luks für Millionen von Toten verantwortlich gemacht. Was den Rezensenten nicht ganz so überzeugt an diesem Band, den er insgesamt für seine "Vollständigkeit und Lesbarkeit" lobt, sind die Parallelen, die Luks zwischen sowjetischer und nationalsozialistischer Machtpraxis konstruieren will. Der Rezensent bemerkt im übrigen, dass trotz der Kürze der betreffenden Kapitel auch die Gorbatschow- und die Jelzin-Ära angemessen gewürdigt würden. Den Anmerkungsapparat des Bandes hätte sich der Rezensent ausführlicher gewünscht.
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