Peter A. Kropotkin, Olga Kryschtanowskaja

Anatomie der russischen Elite

Die Militarisierung Russlands unter Putin
Cover: Anatomie der russischen Elite
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2005
ISBN 9783462034158
Gebunden, 281 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Dieses Buch ermöglicht einen neuen Blick auf die sowjetisch-russische Geschichte der letzten beiden Jahrzehnte, den Seelenzustand, die Prägungen und Ziele des Personals, das an den Schalthebeln des Staates sitzt. Für die internationalen Medien gilt Olga Kryschtanowskaja als Kronzeugin in der aktuellen Berichterstattung über Putins neuen Kurs, sein Vorgehen gegen Milliardäre wie Michail Chodorkowskij und die Neubesetzung der Führungspositionen mit alten Seilschaften aus Geheimpolizei und Militär. Vor allem ihrer Recherche, die sich auf ein geradezu minuziös erhobenes Zahlenwerk stützt, und ihren Analysen ist es zu verdanken, dass der kontinuierliche Aufstieg des aus dem KGB hervorgegangenen Inlandsgeheimdienstes FSB ins öffentliche Bewusstsein gelangte: So tragen 58 Prozent der Mitglieder des Sicherheitsrates und 70 Prozent der Präsidialverwaltung in den Provinzen heute Uniform - im Politbüro der KPdSU unter Breschnew waren es gerade mal vier Prozent. Putin hat in wenigen Jahren den Staat radikal umgebaut, die Duma zu einem Erfüllungsorgan des Kreml gemacht und die freie Presse ausgeschaltet. Dass Russland sich auf dem Weg in den Autoritarismus befindet, daran gibt es nach Kryschtanowskajas Analyse keinen Zweifel.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.11.2005

Olga Kryschtanowskajas Befund, dass die russische Führungselite "fast völlig" vom Militär durchdrungen ist, gehört laut Rezensentin Sonja Zekri seit den ersten Untersuchungen der Autorin zur "russischen Elite" längst zum allgemeinen argumentativen Repertoire der politischen Auseinandersetzung. Deshalb hält sie einen anderen Aspekt, der in diesem Buch abgehandelt wird, für "mindestens ebenso wichtig", nämlich die Entwicklung der russischen "Business-Elite", die, wie die Rezensentin betont, das "spezifische Verhältnis von Macht und Geld" im heutigen Russland erklärt. Nach dem politischen Machtverlust habe die sowjetische politische Führungselite ihr "politisches Kapital in wirtschaftliches" umgewandelt und so "märchenhafte" Vermögen angehäuft, entnimmt Zekri der Darstellung. Nicht zuletzt mit der Verhaftung Michail Chodorkowskijs versuche Putin die "Unterordnung der Wirtschaft unter die Politik" nun wiederherzustellen, referiert Zekri weiter, die das Buch insgesamt als "gut lesbar" und "hochinformativ" preist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.04.2005

Aufschlussreich findet Rezensent Werner Adam dieses Buch der russischen Politikwissenschaftlerin und Soziologin Olga Kryschtanowskaja über die russische Elite. In ihrer "historisch detaillierten Beschreibung" des Werdegangs der sogenannten Eliten ihres Landes komme Kryschtanowskaja zu dem Schluss, "dass auf Phasen wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Reformversuche noch stets solche eines autoritären Regimes zu folgen pflegten". Elite meint die Repräsentanten der Staatsmacht, die Nomenklatura, nicht etwa die Besten einer Berufsgruppe. Adam zeichnet die Geschichte dieser Elite in den unterschiedlichen Phasen seit Gorbatschows Amtsantritt nach. Er hebt hervor, dass nach der Öffnung und Transformation der Nomenklatura unter Gorbatschow und nach den Reformbemühungen Jelzins mit Putin ein Machtmensch ans Ruder kam, der die Widerherstellung strammer bürokratischer und hierarchischer Strukturen betrieb. Unter ihm habe die Elite aufs neue festen Tritt gefasst und einen "Prozess der Sowjetisierung" in Gang gesetzt.