Die Dramaturgin und Essaystin Irina Rastorgueva erzählt in diesem Essay Fakten und Geschichten über die unmögliche und doch sehr lebendige, aktuelle russische Opposition. Sie benennt und beschreibt den parlamentarischen Unterdrückungsapparat, erfundene Fälle und Prozesse, politische Satire, Internet-Trolle und Guerillakrieg. Die absurde, kafkaeske und dystopische russische Realität stellt sie damit ins grelle Licht der Reflexion und wirft einen Blick hinter die endlose Produktion von Fassaden, Schildern und Etiketten: Dahinter herrscht verzweifelte Leere. Die Duma erlässt unnötige Gesetze, es werden nichtexistierende Feinde erfunden, eine Pseudo-Opposition sitzt im Parlament, die echte Opposition sitzt wegen falscher Anklagen im Gefängnis, die Polizei produziert selbst unablässig Terroristen. "Nichts in Putins Russland ist echt", egal, was man anfasst. Hier sind Wahlen nur eine Simulation, und Proteste nur ein Vorwand für Repressionen. Und die Vergangenheit Russlands ist noch unbekannter als seine Zukunft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.12.2022
Rezensentin Franziska Davies zeigt sich beeindruckt von Irina Rastorguevas hochliterarischem Porträt der immer stärker unterdrückten Opposition in Russland. Das Buch ist keine politische Analyse, sondern ein Essay erklärt sie, der die Gewaltausübung der Putin-Regierung für sie nachvollziehbar anhand einer Mischung aus "individuellen Schicksalen, absurden Gesetzen und Gewalt" darstellt. Wie es dazu kommen konnte, wie seit 2011 der Westen immer stärker zum Feind stilisiert wurde und im Inneren durch neue Gesetze eine Willkürherrschaft installiert wurde, liest Davies mit Schrecken. Die Hoffnung, die Rastorgueva dennoch in die Opposition im Land setzt, kann die Kritikerin angesichts der Repressalien und der Apathie in weiten Teilen der Gesellschaft nicht teilen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.10.2022
Russland als "Nekropolis": Dieses Bild entwirft Irina Rastorgueva anhand absurder und doch wahrer Beschlüsse und Nachrichten aus dem Kreml, der der Bevölkerung dauernd ein großartiges, vitales Land vortäuschen muss, das es der Autorin zufolge so nicht gibt, resümiert Rezensent Ulrich M. Schmid. Sie führt dies von Putin bis zu Katharina der Großen zurück, dabei ist sie für den Kritiker aber manchmal allzu voreilig, auch unterlaufen ihr ein paar Flüchtigkeitsfehler, erkennt er. Das findet Schmid schade, lobt er doch die wortgewaltige "Schlagkraft" des "Russlandsimulakrums."
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