Herausgegeben von Helga Grebing, Gregor Schöllgen und Heinrich August Winkler. Der sechste Band der Berliner Ausgabe dokumentiert die Außen-, Europa- und Deutschlandpolitik Willy Brandts von 1966 bis 1974. Bereits als Außenminister der Großen Koalition setzte er neue Akzente - den Durchbruch aber erzielte Brandt als Bundeskanzler: Mit seiner Neuen Ostpolitik, für die er im Oktober 1971 den Friedensnobelpreis erhielt, verlieh er der internationalen Entspannung entscheidende Impulse. Die über 90 Dokumente dieses Bandes zeigen, wie es Willy Brandt gelang, die Ostverträge mit Moskau, Warschau und Prag, das Berlin-Abkommen sowie den Grundlagenvertrag mit der DDR gegen alle inneren und äußeren Widerstände durchzusetzen. Sie belegen darüber hinaus, wie der Bundeskanzler mit Erfolg die westeuropäische Integration vorantrieb und die transatlantische Kooperation in schwierigen Zeiten vertiefte. Besonderes Augenmerk gilt dem engen Gedankenaustausch Willy Brandts mit dem amerikanischen Präsidenten Richard Nixon: Der Schriftwechsel und die Gesprächsnotizen der Jahre 1969 bis 1974 werden hier erstmals in größerem Umfang erschlossen.
Der sechste Band der Berliner Willy-Brandt-Ausgabe informiert mit seinen 93 Dokumenten aus Brandts Regierungszeit umfassend über dessen "außenpolitische Grundlinien" und ist deshalb ein Gewinn, freut sich Gottfried Niedhart. Dabei erhöhen, wie er meint, die den Dokumenten beigegebene Einleitung und die Kommentare noch den "Wert" des Bandes. Besonders "bemerkenswert" erscheint dem Rezensenten die Deutlichkeit, mit der Brandt in seinen Reden und Aufsätzen seinen politischen Vorstellungen Ausdruck verlieh, die besonders auf Realitätssinn und "Kommunikation" beruhten, wie er konstatiert. So sei es Brandt wichtig gewesen, sowohl die DDR als auch die BRD in ihrer damaligen Form als Realität anzuerkennen, gleichzeitig aber die Kommunikation mit den Ostmächten zu verstärken, erklärt Niedhart. Er betont, dass der Band neben durchaus bekannten Dokumenten auch unbekanntes Material publiziert, nicht zuletzt zwei Texte von Helmut Schmidt zur Unterzeichnung des Moskauer Vertrags und Ausführungen des amerikanischen Präsidenten Nixon zum selben Thema.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.07.2005
Dies ist der sechste von zehn Bänden, die die vorhandenen Dokumente zum "Leben und Wirken" von Willy Brandt versammeln. Er ist der wohl interessanteste, denn es geht darin um die Jahre 1966-1974 und damit um die Zeit der Ostpolitik und der Kanzlerschaft. Sehr deutlich wird darin, so der Rezensent Christian Kind, wie minutiös die Annäherung an den anderen deutschen Staat, das heißt die Kenntnisnahme der Realitäten, mit den amerikanischen Verbündeten abgestimmt war. Die komplexen Vertragsverhältnisse Deutschlands mit den Staaten des Ostblocks arbeitet in seinem Vorwort Frank Fischer heraus. Deutlich werden aber auch in dieser Zusammenfassung, stellt Kind fest, Brandts Begabung zu "kreativer Gedankenarbeit und wegweisender Rhetorik".
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