Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit und Hans-Christian Oeser. "Sieht man den Roman als verwirrendes Renaissancegemälde, so ist die Kurzgeschichte wie ein impressionistisches Tableau: eine Explosion der Wahrheit sollte sie sein." Was Wiliam Trevor hier leidenschaftlich einfordert, stellt er in seinen Erzählungen unter Beweis, deren Herzstück stets die Wahrhaftigkeit ist. So zum Beispiel in der bislang nie auf Deutsch erschienenen Geschichte vom blinden Klavierstimmer, dessen zweite Ehefrau sein Handicap schamlos ausnutzt. Oder der von dem Mädchen, das vom Tod seiner Mutter überzeugt ist, bis auf dem Schulhof zwei geheimnisvolle Frauen auftauchen.
Zunächst einmal muss sich Rezensent Rainer Moritz ärgern: So prächtig dieser Erzählband auch erscheint, hat der Verlag hier doch nur bereits veröffentliche Erzählungen des Spätwerks William Trevors versammelt - sodass von einem "Best-of" nicht die Rede sein kann. Nichtsdestotrotz lädt der Band dazu ein, einen großen Erzähler kennenzulernen, der die Kunst beherrscht, mit Empathie, aber ohne Sentimentalität verlorene Existenzen aus verschiedensten gesellschaftlichen Milieus zu beschreiben, versichert der Kritiker. Hymnisch fährt er fort: In knappen und doch tiefgründigen Sätzen zeichne Trevor feinsinnig melancholische Charakterstudien von Menschen, deren Träume am Alltag zerbrechen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.01.2016
Hymnisch bespricht Meike Fessmann diesen Band mit einer Auswahl von Erzählungen des irischen Autors William Trevor, den sie als Meister der Aussparung würdigt. Allein, wie es Trevor gelingt, auf wenigen Seiten Figuren lebensnahe erscheinen zu lassen, ringt der Kritikerin höchste Anerkennung ab. So liest sie etwa fasziniert die Geschichte eines Mannes, der auf Wunsch seiner an Demenz erkrankten Frau noch einmal alle gemeinsamen Reisen wiederholt oder die Erzählung um eine Frau, die sich mit ihren Kindheitsfreunden zum "Teddybären-Picknick" trifft. Trevor vermag nicht nur brillant Gefühle zu verknüpfen, sondern serviere auch kluge Lebensweisheiten, lobt die Rezensentin, die auch mit der Übersetzung sehr zufrieden ist.
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