Wieslaw Mysliwski

Der helle Horizont

Roman
Cover: Der helle Horizont
btb, München 2003
ISBN 9783442750580
Gebunden, 640 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Roswitha Matwin-Buschmann.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.05.2004

Rezensent Gerhard Gnauck spekuliert über den Titel dieses "schwermütigen" Romans, der vom Verlag eben deshalb, so nimmt Gnauck an, die Überschrift "Der helle Horizont" erhalten hat. Sein Autor, Wieslaw Mysliwski, Jahrgang 1932, lebt seit Jahrzehnten in Warschau, stammt aber aus einem Dorf an der Weichsel, und dieser Gegend, insbesondere der ländlichen Kultur seiner Heimatregion setzt Mysliwski mit diesem Roman ein Denkmal. "Der helle Horizont" erscheine nicht etwa, versichert Gnauck, aus der Sicht eines Großstädters und Intellektuellen geschrieben, der das Land- und Kleinstadtleben analysiert, sondern verharre in einer deskriptiven Geste, die "Gesichter, Gespräche, Begegnungen in der Provinz" notiert, weshalb der Roman, berichtet der Kritiker, in Polen "als Werk größter Wahrhaftigkeit" gerühmt worden sei. Das Besondere an Mysliwskis Dorfprosa sei wiederum, erklärt Gnauck, sein Bemühen, der bäuerlichen Sprache durch originelle Ausdrücke, Neuschöpfungen und Verschleifungen Eigenständigkeit zuzusprechen und dadurch auf ihren drohenden Verlust hinzuweisen. Als Redakteur der Zeitschrift "Regiony" hatte Mysliwski lange Jahre Zeugnisse der verschwindenden bäuerlichen Kultur gesammelt. Ein Wort noch zur Übersetzung: Roswitha Matwin-Buschmann habe sich recht erfolgreich daran abgearbeitet, bescheidet Gnauck, auch wenn einiges am Ende in unseren Ohren eher berlinerisch oder ostpreußisch klinge.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2003

Marta Kijowska lobt, dem inzwischen einundsiebzigjährigen Autor sei mit diesem in zehnjähriger Arbeit entstandenen, "monumentalen, über sechshundert Seiten starken" Werk, "ein großer Roman" gelungen - der deutlich autobiografische Züge trage. Wieslaw Mysliwski breite darin jedoch sein Leben in einer Weise aus, "als würde er unser eigenes erzählen" - in einer Erzählweise, die sich "immer wieder an der Grenze zwischen Realität und Traum bewegt". In den Erinnerungen des Ich-Erzählers - an seine Kindheit in einer Großfamilie in ländlicher Idylle sowie an Kriegs- und Nachkriegszeit - spiegelt sich, wie Kijowska darstellt, zugleich "die neuere Geschichte Polens" wider. Wie alle seine Bücher, feiert die Rezensentin Buch und Autor weiter, habe auch dieses wieder "einen universellen Charakter" und ziele auf nicht weniger als eine "Diagnostik der gesamten Zivilisation ab". Außerdem gehe in diesem Roman, lobt die Rezensentin, "kompositorisches Können" mit "sprachlicher Meisterschaft" einher - und letzterer würde die deutsche Übersetzerin Roswitha Matwin-Buschmann auch noch auf "imponierende Weise" gerecht werden. Dem Autor gelingt es hier zugleich, so erfährt man weiter, eine "poetische Aura" zu erzeugen - und "dann wieder die Beherrschung deftigster Bauernsprache" zu demonstrieren.
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