Andrzej Stasiuk

Der Osten

Roman
Cover: Der Osten
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783518425350
Gebunden, 297 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall. Zurück von der Reise, lauscht Andrzej Stasiuk des Nachts hinaus in die Weite: Was ist das, der Osten, dieses "Reich der Wunder", das ihn magisch anzieht? Dieses Kontinuum, dessen Erschütterungen von Kamtschatka bis an die Elbe zu spüren sind. Ostpolen, die Heimat, aus der seine Eltern vertrieben wurden? Der Osten namens Sowjetkommunismus, dessen Präsenz die Gesellschaft, in der er aufwuchs, kontaminiert hatte? Dies ist Stasiuks großes Buch über "den Osten": Eine Summe seines Reisens und Schreibens - niedergelegt in einem epischen Strom, hinreißend erzählten Episoden und Epiphanien. Osten - so könnte eine Quintessenz des neuen Buches lauten - ist keine Himmelsrichtung, sondern die Verheißung einer Dimension jenseits der vom Grauen der Vergangenheit unterminierten europäischen Landschaften.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.2016

Rezensentin Lena Bopp findet es leicht befremdlich, dass der Suhrkamp-Verlag Andrzej Stasiuks Buch unter dem Label "Roman" vertreibt, schließlich habe der Ich-Erzähler verdächtig viel Ähnlichkeit mit dem polnischen Autor. Zudem liefere "Der Osten" vor allem Erinnerungen und Biographisches, wie die Rezensentin bemerkt. Davon abgesehen findet Bopp besonderen Gefallen an der "gewissen Disharmonie" des Buches. Die entspringt ihrer Meinung nach daraus, dass Stasiuk Erklärungen für das Entstehen des Kommunismus und somit für die Vergangenheit mitten in der Gegenwart suche, nämlich in Gegenden zwischen Russland, der Mongolei und China, "wo man das Nichts gewohnt sei, weil es buchstäblich nichts gebe". Dass es nur in solchen Landschaften möglich sei, revolutionäre Gedanken zu entwickeln, hält die Kritikerin Lena Bopp für eine interessante Idee Stasiuks.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2016

Rezensent Hans-Peter Kunisch schätzt Andrzej Stasiuk vor allem für die Kunst der "sinnlich-fantastischen" Wahrnehmung in seinen Büchern, die er auch in diesem wiederentdeckt. Keinen Roman, vielmehr ein Erinnerungsbuch liest der Kritiker hier, in dem Stasiuk sich auf eine Reise von Polen bis China begibt und von den Sommern bei den Großeltern erzählt oder sich an Russen erinnert, die Hühner samt Federn aßen. Der Rezensent durchquert mit Stasiuk beeindruckt russische Steppen und lobt die rücksichtlosen, gelegentlich sehnsüchtigen Recherchen im "historischen Dreck" des Autors, dessen Überlegungen den Kritiker bisweilen "deutsch-nachdenklich" anmuten.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 20.02.2016

"Was für ein Buch!", ruft begeistert der Rezensent Marko Martin nach der Lektüre von Andrzej Stasiuks neuem Werk "Der Osten". Mit der Etikettierung als Roman durch den deutschen Verlag ist der Kritiker allerdings nicht einverstanden, vielmehr liest er hier eine ebenso "unflätige" wie "zartsinnige" Mischung aus Reisereflexion, Kindheitserinnerung, Rhapsodie und Landschaftsprosa, die zwischen "Höllenvision" und "melancholischem Abgesang" Stasiuks Ostobsession feiert. Derart überwältigt reist der Rezensent mit Stasiuk von Polen bis nach China in die innere Mongolei und bewundert nicht nur die außergewöhnliche Beobachtungsgabe des Autors, sondern spürt dank Stasiuks kraftvollen visuellen Schilderungen geradezu "schmerzlich" die Folgen des kommunistischen Erbes.