Klappentext

Eine berühmte polnische Schauspielerin wird zur amerikanischen Diva: Maryna Zalezowska emigriert im Jahr 1876 mit einer Gruppe europamüder Polen ins Gelobte Land Amerika, um ein neues Leben zu finden. Die Begegnung zwischen der Alten und der Neuen Welt erweist sich jedoch nicht als einfach ...

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.03.2002

Was kann wohl Susan Sontags Motivation zu diesem "semidokumentarischen" und zugleich "romantisch gefärbten" Roman über eine bekannte polnische Schauspielerin des 19. Jahrhunderts gewesen sein, fragt sich Harald Fricke und liefert die Anworten auf seine Frage gleich nach. Denn was der linksintellektuellen Kritikerin Sontag hier bravourös gelinge, sei die "Überprüfung des amerikanischen Jetzt-Zustandes" am Leben der US-Immigrantin Helena Modrzejewska. Wahrscheinlich ist es als symbolischer Respektabstand, als Zeichen besonderer Achtung vor der "emanzipierten Diva" zu verstehen, dass die Autorin den Figuren neue Namen gab, sich letztlich aber an authentische Ereignisse hielt, mutmaßt der Rezensent. "Ironisch" hingegen sei die Art und Weise wie Sontag die angestrengten Integrationsbemühungen des Bühnenstars darstelle. Gut recherchiert und mit einem ausgeprägten Sinn für das Weiterwirken von Vergangenem erschließt dieser "mit historischem Material abgefederte" Roman das Verständnis für die Geschichte und Gegenwart der USA, so das durchaus positive Resümee des Rezensenten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2002

So richtig kann sich Burkhard Spinnen nicht für diesen Roman erwärmen, in dem eine erfolgreiche polnische Schauspielerin mit einigen Landsleuten nach Amerika emigriert, als Farmerin scheitert dann aber als Schauspielerin wieder große Erfolge feiert. Er sieht sein "Unbehagen" darin begründet, dass die amerikanische Autorin vor allem von der Begeisterung für ihre Protagonistin getrieben scheint, was für einen Roman nicht genug hergebe. Denn, so der Rezensent, ein Roman könne nie allein durch die Figuren, sondern er müsse auch von der "Ungelöstheit seiner Geschichte" getragen werden, und die fehlt ihm hier. Zudem merkt er an, dass der polnische Hintergrund allzu "vage" bleibt und die Schauspielkunst der Hauptfigur, die eine wichtige Rolle spielt, im Text sowieso nicht wirklich dargestellt werden könne. Was bleibt, sei eine "Liebeserklärung" der Autorin an ihre Heldin. Das ist Spinnen nicht genug.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.03.2002

Deutliche Enttäuschung bringt Angela Schader in ihrer sehr kundigen und ausführlichen Besprechung über Susan Sontags neuen Roman "In Amerika" zum Ausdruck. Der Roman erzählt vom Leben der polnischen Schauspielerin Maryna Zalezowska, ihrer Karriere und einem sozialen Experiment - der Gründung einer "utopischen Lebensgemeinschaft" - , das sie zusammen mit ihrem Ehemann und Freunden in Kalifornien durchführt. Die literarische Figur Zalezowska ist stark an das Leben der in den USA überaus erfolgreichen Shakespeare-Darstellerin Helena Modrzejewska angelehnt, erklärt die Rezensentin. Das Thema "Alternative Lebensformen" und das Leben dieser Schauspielerin findet Schader sehr spannend, doch wirft sie Sontag vor, ihre Protagonistin zu glorifizieren. Enttäuscht ist Schader auch, dass sich Sontag zu wenig mit der Theorie des "Vordenkers des utopischen Sozialismus", Charles Fourier, beschäftigt hat. Der finde bei Sontag zwar Erwähnung, aber viel zu dürftig, was Schader angesichts der intellektuellen Brillanz der Autorin erstaunt. Da hilft es Susan Sontag auch nicht, dass der Roman "blendend erzählt" ist.