Gabriela Zapolska

Sommerliebe

Roman
Cover: Sommerliebe
Manesse Verlag, Zürich 2008
ISBN 9783717521525
Gebunden, 718 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Karin Wolff. Mit einem Nachwort von Hannelore Schlaffer. Zapolskas Roman "Sommerliebe" erschien erstmals 1905. Drei kleine Kinder, ein biederer Ehemann und einige pflegebedürftige Zimmerpflanzen bestimmen den wenig glamourösen Alltag von Tuska Zebrowska. Entsprechend groß sind ihre Erwartungen, als sie zu einem sommerlichen Kuraufenthalt in die Hohe Tatra aufbricht. Auf den ersten Blick scheinen die Vorzeichen für einen gelungenen Urlaub in Zakopane alles andere als günstig. Das spärliche Budget reicht gerade für ein Zimmer in einer kargen Bauernhütte, und auch der Nachbar ist eine Zumutung: ein nassforscher Schauspieler, der Tuskas kleiner Tochter Geschenke macht und fragwürdige Post von Damen erhält. Doch schneller als gedacht schmilzt das Eis zwischen der jungen Mutter aus Warschau und dem Gebirgs-Casanova Porzycki. Die legere sommerliche Atmosphäre und Spaziergänge in wildromantischer Umgebung tun ein übriges, die Grundfesten von Tuskas bürgerlichem Moralempfinden ins Wanken zu bringen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2008

Stefanie Peter kann die 700 Seiten des Romans in ein paar Sätzen zusammenfassen. Dass nicht allzu viel passiert in Gabriela Zapolskas Fin-de-Siecle-Kurgeschichte, heißt allerdings noch lange nicht, dass die Rezensentin eingeschlafen ist beim Lesen. Vielmehr hat sie sich eingelassen auf das vorgegebene Downtempo und sich in die Hohe Tatra imaginiert. Wenn es ihr dort ganz gut gefallen hat, so liegt das am "Schematischen und Unpsychologischen" dieser Geschichte über schauspielernde Kurschatten auf Seelensuche. Lebensreform a la Zakopane (so der Ort der Handlung), operettenhaft inszeniert, doch mit kritischem Sinn für die gesellschaftlichen und politischen Strömungen der Zeit. So resümieren wir Peters Fazit.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.10.2008

Rezensentin Marta Kijowska betrachtet die Autorin und ihren Roman "Sommerliebe" durchaus kritisch. So kontrovers wie Gabriela Zapolska zu ihrer Zeit als Schriftstellerin gesehen wurde, so zwiegespalten zwischen gekonnter Satire und Melodramatik erscheint Kijowska auch diese vor der Kulisse des polnischen Bergkurorts Zakopane spielende Ehebruchsgeschichte. Die von Zapolska entworfene Heldin kann in Kijowskas Augen weder einer Emma Bovary noch einer Anna Karenina das Wasser reichen. Der Schluss bleibt unversöhnlich deterministisch, wie uns die Rezensentin erklärt. Dass ihr das Buch mit all seinem Pathos, den "überzeichneten" Figuren und "emphatischen" Naturbeschreibungen dennoch zusagt, liegt am gelungenen Szenenaufbau, an der mit Dialekt und Jargon angereicherten Sprache sowie an der Ausgewogenheit zwischen Tragik und Komik, mit der die Autorin "realitätsnah" das Polen der Jahrhundertwende entwirft.
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