Walter Seitter

Kunst der Wacht. Träumen und andere Wachen

Schlafen, Wachen. Zur Lebenskunst: Band 2
Philo Verlag, Berlin - Wien 2001
ISBN 9783825701956
Broschiert, 364 Seiten, 24,80 EUR

Klappentext

Träumen figuriert als "Wachen im Schlaf". Damit wird die vor hundert Jahren von Sigmund Freud vorgenommene Perspektivierung des Traums als Königsweg zum Unbewussten modifiziert. Er ist Königsweg zum Bewusstsein, das in sich antagonistisch verfasst ist: (Un)Bewusstsein. Die Untersuchung des Träumens erfolg überwiegend historisch- positivistisch über Traumerzählungen und Traumabbildungen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.12.2001

Ulrich Raulff lässt sich in seiner Rezension nicht dazu herab, uns zu erklären, was die "Tychanalyse" ist - aber so viel erfährt der gutwillige Leser doch: Seitter ist ein Tychanalytiker, was um so weniger verwundert als er auch der Erfinder des Begriffs zu sein scheint. Versteht man Raulff recht, so versucht die "Tychanalyse" im Unterschied zur Psychoanalyse den Traum weniger zu deuten als ihn zunächst mal zu erzählen, ihn in seiner Insularität als ein zweites "Wachen" zu begreifen, ihn nicht allein auf Sprache, gar auf "Wunscherfüllung" zu reduzieren, sondern auch in seiner "Bildhaftigkeit und Plastizität" zu erfassen". Nebenbei scheint das Buch auch "drei Spaziergänge durch die Geschichte des Traumes im Abendland" zu unternehmen. Raulff schildert mit Sympathie, wo dabei Seitters Vorlieben liegen: bei der Aufklärung, bei Georg Christoph Lichtenberg etwa, weniger bei der Romantik, der Seitter nach dem Bericht des Rezensenten eine Verwischung der Unterschiede zwischen Schlafen, Träumen und Wachen vorwirft, und Seitter liebt die "klar begrenzten Dinge", zu denen er auch den Traum zu zählen scheint.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.08.2001

Der Band, erklärt uns Ralf Konersmann, sei Teil einer "Propädeutik der Lebenskunst", die der Autor mit seiner "Geschichte der Nacht" von 1999 begonnen habe. Allerdings kommt dem Rezensenten das vorliegende Buch selbst wie die Nacht vor: nicht wirklich plausibel, der Leser finde sich orientierungslos zwischen kunterbunten Assoziationen zu den Begriffen "Träumen" und "Wachen" wieder - "vielerlei Lesefrüchte, autoanalytische Bekenntnisse, heideggernde Etymologien". Bis auf einzelne Teile (etwa wenn historische Traumbeschreibungen von der Antike bis zur Romantik vergegenwärtigt werden), schreibt Konersmann, fehle dem Ganzen "ganz offenkundig die Umsicht einer gestalterischen Hand."
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