Peter Schäfer

Der Triumph der reinen Geistigkeit

Sigmund Freuds 'Der Mann Moses und die monotheistische Religion'
Cover: Der Triumph der reinen Geistigkeit
Philo Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783825703158
Kartoniert, 46 Seiten, 9,00 EUR

Im Perlentaucher: Rezension Perlentaucher

Peter Schäfer, Professor der Judaistik an der Freien Universität Berlin, analysiert Sigmund Freuds späten Essay "Der Mann Moses und die monotheistische Religion" (1939a). Er berichtet auf den 38 Seiten seines schmalen Bändchens von der Freud quälenden Arbeit an diesem Werk, und er erzählt von den Diskussionen, die es hervorrief. Freuds Unternehmen lief darauf hinaus, dem jüdischen Volk, exakt zu dem Augenblick, da ihm seine Existenz genommen wurde, auch noch seinen Ursprung zu nehmen...
Lesen Sie mehr in Arno Widmanns 'Vom Nachttisch geräumt'

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.07.2003

Wie Friedrich Niewöhner mit viel Sympathie berichtet, wendet sich dieses Buch des Judaisten Peter Schäfer gegen eine Deutung des Judentums wie sie im Anschluss an Freuds Untersuchungen zur Figur des Mose aufgekommen ist, die vor allem das Bilderverbot dazu verwendet, um vom Judentum als von einer Religion zu sprechen, in der ein Triumph der Geistigkeit über die Sinnlichkeit stattgefunden habe. Schäfer, erfahren wir, verspotte dieses Bild als "Pseudo-Idylle" und "Karikatur", die es so nie gegeben habe, "nicht in der Bibel und schon gar nicht im nachbiblischen Judentum", es handele sich hier vielmehr um ein Judentum "aus dem Geiste des Christentums". Das Bilderverbot etwa, so schreibt Schäfer lapidar, wie wir vom Rezensenten erfahren, habe "das Judentum wahrhaftig nicht davon abgehalten, genau dies zu tun". Am Ende kommt Schäfer, wie Niewöhner weiter berichtet, gar zu dem Ergebnis, dass gleich auch noch der ganze jüdische Monotheismus, wie Freud ihn zeige, "auf der Strecke" bleibe, und dreht den Spieß einfach um. Für Schäfer ist, berichtet der Rezensent, Freud der "neue Moses" und die Psychoanalyse die "neue Torah".

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