7 CDs, 536 Minuten Laufzeit. Lesung. Gesprochen von Rolf Boysen, Rosemarie Fendel, Ulrich Matthes. Regie: Walter Adler. Über 5000 Familiennachlässe hat Walter Kempowski gesammelt und archiviert. Regisseur Walter Adler hat aus den unzähligen Briefen, Tagebüchern und Alltagsdokumenten eine lebendige und facettenreiche Erinnerung an das Jahr 1945 geschaffen: So zeichnen die privaten Erfahrungen und Erlebnisse detaillierte, überaus persönliche Bilder vom Ende des Zweiten Weltkriegs, hörbar als überwältigende Chronik der Stimmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2015
Das große Verdienst Walter Kempowskis, zuhören zu können nämlich und in den Archiven die Stimmen zu bergen, die mal banal Alltägliches, mal den ganzen Schrecken des Krieges erzählen, wird für Wolfgang Schneider mit dieser Hörfassung von Kempowskis historischer Collage aus dem Jahr 1995 noch einmal offenbar. Wie gemacht für einen vielstimmigen Chor, wie gemacht zum Hören erscheinen Schneider die Berichte vom Bombenkrieg und den Todesmärschen, von Ostern im Inferno und Hitlers Wehwehchen im Bunker. Immer wieder überrascht von den Kontrasten und der Wirkung, die die ohne literarische Absicht verfassten Aufzeichnungen durch die gefühlsnuancierte, doch nie didaktische Interpretation von Irm Hermann, Ulrich Matthes, Otto Sander u. a. entfalten, zeigt sich der Rezensent ergriffen von Grauen und Mitleid. Distanzierung unmöglich, meint er.
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