Walter Boehlich

"Ich habe meine Skepsis, meine Kenntnisse und mein Gewissen."

Briefe 1994 bis 2000
Cover: "Ich habe meine Skepsis, meine Kenntnisse und mein Gewissen."
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2021
ISBN 9783895616143
Gebunden, 544 Seiten, 50,00 EUR

Klappentext

Mit zahlreichen Abbildungen. Ein Reprint des Kursbogens "Autodafé" der Literaturzeitschrift Kursbuch Nummer 15 liegt als gefalztes Plakat bei. Der Philologe, Kritiker, Übersetzer aus sechs Sprachen, Lektor und Publizist Walter Boehlich war ein einzigartiger Vermittler von Literatur. Als Intellektueller rettete er das literarische Erbe über die Brüche des 20. Jahrhunderts hinweg und öffnete es für eine kritische Neuinterpretation. Neben dieser Lebensleistung hinterlässt Walter Boehlich, von 1957 bis 1968 Cheflektor des Suhrkamp Verlags, eine enorme Korrespondenz, die 1944 mit einem Brief an seine nach Theresienstadt deportierte Mutter einsetzt und erst 2000 abbricht. In seinen Briefen an Autorinnen und Autoren, Redaktionen und Verlage manifestiert Boehlich eine Haltung, in der Sprach- und Literaturkritik untrennbar mit Gesellschaftskritik einhergehen. Philologische Gewissenhaftigkeit und moralische Verantwortung gehörten für ihn zusammen. Gleichzeitig sind seine Briefe stilistisch geschliffen, voller Witz und sprühendem Geist: Ihre Lektüre ist anhaltender Genuss.
Zu Boehlichs 100. Geburtstag erscheint eine von Christoph Kapp und Wolfgang Schopf kommentierte, üppig bebilderte Auswahl seiner Briefe: Theodor W. Adorno | Ilse Aichinger | Ingeborg Bachmann | Samuel Beckett | Gottfried Benn | Ernst Bloch | Paul Celan | Ernst Robert Curtius | Hilde Domin | Hans Magnus Enzensberger | Erich Fried | Max Frisch | Jürgen Habermas | Wolfgang Hildesheimer | Walter Höllerer | Uwe Johnson | Henry Kissinger | Wolfgang Koeppen | Siegfried Kracauer | Ruth Landshoff | Herbert Marcuse | Fritz J. Raddatz | Frank Schirrmacher | Arno Schmidt | Gershom Scholem | Peter Suhrkamp | Peter Szondi | Peter Urban | Siegfried Unseld | Katharina Wagenbach | Martin Walser | Helene Weigel | Peter Weiss.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.10.2021

Für den Rezensenten Helmut Böttiger bieten die von Christoph Kapp und Wolfgang Schopf herausgegebenen Briefe des Philologen und Lektors Walter Boehlich einen Einblick in die bundesdeutsche Kulturgeschichte zwischen 1945 und 2000. An Boehlichs Gelehrsamkeit kann sich der Leser der Korrespondenz mit Autoren wie Koeppen und Bachmann, Johnson und Marcuse laben, meint Böttiger. Anspielungsreich und witzig, vor allem aber geprägt von einem wahrhaftigen, kritischen Literaturverständnis, wie die Briefe sind, sind sie Dokumente von Boehlichs persönlicher Entwicklung wie auch derjenigen der Bundesrepublik nach dem Krieg, erklärt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.09.2021

Rezensent Roman Bucheli liest Walter Boehlichs Briefe aus den Jahren 1944-2000 mit Interesse. Boehlich zeigt sich darin laut Rezensent als ebenso leidenschaftlicher wie kompromissloser Streiter für die Literatur. Wehmütig macht Bucheli so viel Engagement, aber auch die sprachliche Kunst des Lektors und Verlegers, zu begutachten in den Briefen an Enzensberger, Hildesheimer, Walser, Unseld und vielen anderen. Besonders das "asymmetrische Verhältnis" Boehlichs zu seinem langjährigen Chef Unseld wird für Bucheli sichtbar. Mit Boehlich ist hier ein Rebell kennenzulernen, der sich wie kaum ein zweiter um die deutsche Literatur verdient gemacht hat, lässt uns der Rezensent erahnen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.09.2021

Rezensent Claus-Jürgen Göpfert erkennt in dieser Auswahl mit Briefen des Büchermenschen Walter Boehlich die Geschichte einer Radikalisierung. Wie sich Boehlich vom Suhrkamp-Lektor zum scharfen Kritiker einer Allround-Literatur und einer hohlen Kritik entwickelte, kann der Leser der Briefe an Siegfried Unseld, Dieter E. Zimmer oder Schriftsteller wie Hilde Domin oder Uwe Johnson hier nachvollziehen, meint Göpfert. Eine kleine Literaturgeschichte der Nachkriegszeit für den Rezensenten, die Boehlichs Abscheu gegenüber der Restauration in der BRD ebenso sichtbar macht wie seine Konsequenz in sprachlichen Dingen.