Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Tobias Roth. Voltaires Tragödie Der Fanatismus oder Mohammed stellt Macht und Manipulation
exemplarisch dar: Der religiöse Fanatismus wird zur politischen Waffe. Das Stück ist ein
drastischer Ruf der Warnung. Der katholische Klerus ließ das Stück sofort verbieten, Voltaire widmete es sofort dem Papst.
Der Fanatismus oder Mohammed erzählt eine haarsträubende und gewöhnliche Geschichte: Hirn und Herz eines jungen Mannes werden gewaschen, die Religion lässt ihn
zum Mörder werden. Sein Auftraggeber ist der Prophet Mohammed, der die Stadt Mekka erobern will - und triumphiert.
Die Neuübersetzung der Tragödie wird ergänzt durch Voltaires Widmungsbriefe an Friedrich II. und den Papst, sowie durch zwei schonungslose Streitschriften: In ihnen rechnet Voltaire mit den drei Buchreligionen gleichermaßen ab. Die Predigt der Fünfzig zerlegt die Bibel, Von dem Korane und dem Mahomed den Koran - dieser Essay wird in einer zeitgenössischen Übersetzung von Gotthold Ephraim Lessing präsentiert. Es geht Voltaire nicht um eine einzelne Religion, er schreibt gegen den Missbrauch
des Göttlichen und gegen den Fanatismus an.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2017
Helmut Mayer scheint die Neuübersetzung von Voltaires Tragödie aus dem Jahr 1741 durch Tobias Roth ambitioniert. Die gereimten Alexandriner meistert Roth auf beeindruckende Weise, findet Mayer. Auch das Nachwort und die beigegebenen Texte aus dem Umkreis des Stückes liest der Rezensent mit Gewinn, verdeutlichen sie ihm doch Voltaires Absicht, mit seinem Text den religiösen Fanatismus aufs Korn zu nehmen. Für Mayer ein schönes Beispiel hoher französischer Tragödien-Schule und eine Erinnerung an eine historische Dramenform.
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