Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Michail Iwanowitsch Kostrow, Professor für "historischen Materialismus" in Moskau, wird wegen falscher Gesinnung verhaftet. Er durchläuft die verschiedenen Stationen des stalinistischen Repressionsapparats und landet schließlich in dem entlegenen Ort Schwarze Wasser in der Verbannung. Hier trifft er auf eine Gruppe von Oppositionellen. Der Roman ist eine Fiktion, aber genährt durch fürchterliche Realitäten, aus Erfahrungs- und Erinnerungsbruchstücken der deportierten linken Opposition. Trotz der Hoffnungslosigkeit der Situation überdauern die Protagonisten - dank einer menschlichen Wärme im Grauen der Denunziationen, dem Sternenhimmel, der Weite der Landschaft und der kurzen Liebe.
Nicht als Sprachkunstwerk findet Micha Brumlik Victor Serges erstmals 1938 erschienenen Roman interessant, sondern als zeithistorische Quelle über den Stalinismus. Die Mischung aus dokumentarischer Erzählung, ökonomischen Exkursen und theoretischen Reflexionen, mit der sich der Autor dem Schicksal linker Anarchisten unter Stalin zuwendet, scheint ihm durchaus angemessen, ebenso die Nutzung sämtlicher literarischer Formen im Dienst des Anliegens des Autors. Dass der Text von Kitsch nicht ganz frei ist, verzeiht Brumlik dem Autor großzügig angesichts von Serges genauer, geradezu hellsichtiger Beobachtung von Themen, wie der Feindschaft zwischen Bolschewiki und Zionisten.
Dass die "Internationale" mehr ist, als überlebte Ideologie, lernt Mirko Martin mit Victor Serges Roman über das Schicksal politisch Verbannter unter Stalin, der erstmals 1939 erschien und endlich auf Deutsch erhältlich ist. Die subversiven Revoluzzer von 1917 begleitend fallen Martin die Parallelen zu Serges eigener Geschichte auf, zu seinen Hoffnungen und Enttäuschungen, die er mit der freiheitlichen Linken teilte. Richtig froh ist der Rezensent darüber, dass Serge den Text nicht zur Thesengeschichte verkommen lässt, sondern intensiv und mit Sinn für die geografischen Bedingungen und die menschlichen Einsätze erzählt.
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