Warlam Schalamow

Die Auferweckung der Lärche

Erzählungen aus Kolyma
Cover: Die Auferweckung der Lärche
Matthes und Seitz Berlin, Berlin 2011
ISBN 9783882215021
Gebunden, 664 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Gabriele Leupold. Mit "Die Auferweckung der Lärche" liegen nun die sechs Zyklen der Erzählungen aus Kolyma erstmals vollständig auf Deutsch vor. Die insgesamt ca. 1600 Seiten umfassenden Erzählungen zählen zu den eindrucksvollsten literarischen Texten der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts und eröffnen einen immer wieder verstörenden Blick in dessen Abgründe. Der abschließende Band der Erzählungen aus Kolyma wird - wie schon der dritte Band Künstler der Schaufel zwei Erzählzyklen enthalten. Die Werkausgabe wird mit Romanen, Briefen und Gedichten fortgesetzt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.05.2012

Geradezu wie ein Wunder erscheinen der Rezensentin Katarina Bader Warlam Schalamows Erzählungen aus Kolyma, die mit dem vierten Band "Die Auferweckung der Lärche" nun vollständig auf Deutsch vorliegen. Schalamow erzählt in den meist nur wenige Seiten umfassenden Geschichten einzelne Details, kleine Begebenheiten aus dem großen System des Gulags, oft mit unterschiedlichen Hauptpersonen. Und doch brannten sie sich der Rezensentin ins Gedächtnis: Die Erzählung über das Badehaus, das die Häftlinge als "Willkür" bezeichneten, weil sie statt warmen Wassers nur klirrendes Eis und Nässe zu erwarten hatten und ihnen obendrein noch die Kleidungsstücke gestohlen wurden. Oder die Eloge auf das Graphit, das Schalamow im Bleistift kostbarer wurde als ein Diamant, da er ihm erlaubte, all die Schrecknisse, die ihm in 16 Jahren Lagerhaft widerfuhren, festzuhalten. Als Wunder nun erscheint es Bader, dass Schalamows in harter, rhythmischer Prosa verfasste Texte, auch dank der Übersetzung Gabriele Leupolds, zu reinsten Gedichten werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.03.2012

Mit dem vierten Band der "Erzählungen aus Kolyma" sind nun die Lagergeschichten des russischen Autors Warlam Schalamow, der selbst insgesamt 17 Jahre in dem sibirischen Lager inhaftiert war, vollständig, konstatiert Ilma Rakusa zufrieden. Zutiefst beeindruckt und berührt von der so unerschütterlichen Lakonie und der verstörenden Genauigkeit der Beobachtungen sieht die Rezensentin in den Erzählungen nicht allein ein verstörendes Dokument der stalinistischen Gewalt. Zu "Unrecht" ist Schalamow lange im Schatten von Alexander Solschenizyn unsichtbar geblieben, denn er zeigt sich insbesondere in seinen Naturschilderungen nicht zuletzt als großer Dichter, preist die Rezensentin. Sehr beeindruckt ist sie von der dichten Atmosphäre des Lagerlebens, die Schalamow heraufbeschwört, hier wird das "Unbegreifliche" wenn nicht fasslich, so doch zumindest sichtbar, lobt sie. Der Autor hält nicht nur eigene Erinnerungen fest, er dokumentiert auch in knapper, und deswegen umso erschütternderer Form Einzelschicksale, so Rakusa, die hier nicht zuletzt in diesen Texten die Kunst über den Tod "ein wenig siegen" sieht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2012

Mit "Die Auferweckung der Lärche" liegt nun der letzte Band von Warlam Schalamows vierteiligem Zyklus "Erzählungen aus Kolyma" in deutscher Übersetzung vor, freut sich Rezensentin Judith Leister. So hoffnungsvoll wie der Titel vermuten lässt, sind Schalamows Geschichten meist allerdings nicht, berichtet die Kritikerin. Vielmehr liest sie von den erschütternden Erfahrungen, die der russische Autor nach seiner Verurteilung wegen "konterrevolutionärer Agitation" in seiner achtzehnjährigen Lagerhaft in sibirischen Gulags machen musste und an denen er 1982 seelisch und körperlich gebrochen starb. Leister erfährt etwa, dass Flüchtlingen zwecks Identifizierung über den Fingerabdruck einfach die Hände abgehackt wurden oder wie Schalamow trotz Mangelernährung, vierzehnstündigen Arbeitstagen und ständigen Schlägen überlebte. Voller Bewunderung stellt die Kritikerin fest, dass der Autor trotz der erlebten Grausamkeiten mit poetischer Liebe zum Detail und "zärtlichen" Beschreibungen der sibirischen Natur zu schreiben vermag.