Ulrich Beck

Macht und Gegenmacht im globalen Zeitalter

Neue weltpolitische Ökonome

Klappentext

In seinem neuen Buch deckt Ulrich Beck die Ursachen auf für die gegensätzlichen Tendenzen wie Barbarei und militärische Interventionen unter Berufung auf die Menschenrechte, globalem Krieg und globaler Ökonomie, der Zunahme der Armut wie des Reichtums. Es ereignet sich gegenwärtig - so seine These - eine schöpferische Selbstzerstörung der von Nationalstaaten dominierten Weltordnung. Damit eröffnet sich die Möglichkeit eines kosmopolitischen Blickes und einer Weiterentwicklung der Politik zum kosmopolitischen Staat. Es handelt sich also nicht um einen Kampf der Kulturen, sondern um den Kampf für eine Menschheitskultur, in der unterschiedlichste Traditionen miteinander leben können.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.02.2003

Der Rezensent Otfried Höffe steht Ulrich Becks neuem Buch "zwiespältig" gegenüber. Er stimmt Beck in seiner präzisen Darstellung der "neuen Wirklichkeiten von Macht" zu. In der "kosmopolitischen Gründerzeit" würden die "Spielregeln" des Zusammenlebens nicht mehr als objektive Gesetze verstanden, sondern als von den einzelnen Mächten subjektiv festlegbar. Dieser Gedankengang scheint allerdings der einzige Teil des Buches zu sein, der Höffe überzeugt hat. Und selbst hier kritisiert der Rezensent, dass sich Beck auf ein "Machtdreieck von Weltwirtschaft, Staaten und globaler Zivilgesellschaft" beschränkt und Wissenschaft oder Kunst und Kultur als Machtfaktoren vollkommen aus dem Blick verliert. Darüber hinaus findet Höffe es "bedenklich", dass Beck Nichtregierungsorganisationen vollkommen überschätzt, während Rechtsregime wie das Völkerrecht oder supranationale Organisationen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Und gar als "problematisch" bezeichnet es der Rezensent, dass "Beck in der einfachen Alternative von national und transnational denkt". Zu guter Letzt missfiel dem Rezensenten auch Becks wissenschaftliche Herangehensweise. Quellen seien nicht zitiert, empirische Daten seien ungenau und die Literaturangaben seien viel zu pauschal.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.01.2003

Viel Hellsichtiges erkennt Rezensent Volker Heins in dem neuen Buch des Münchner Soziologen Ulrich Beck, das sich dem Gestaltwandel des Politischen im globalen Zeitalter widmet. Zugrunde liege ihm die Einsicht, dass nicht länger das Schachspiel mit seinen klaren Fronten und hierarchisch angeordneten Figuren das globale Machtgefüge kennzeichne, sondern das chinesische Spiel Go, auf dessen Brett die Ränder und Ecken ebenso entscheidend sind wie das Zentrum, die Verbindungslinien wichtiger als die Felder. Amerikanische Verteidigungsplaner wissen das übrigens schon länger. Auffällig findet Heins daher, dass Beck in diesem Buch zu den klassischen Themen und Autoren der politischen Theorie zurückkehre, zu Machiavelli und Hobbes, wobei sich der Machiavellismus bei Beck immer noch mit politischer Romantik verbinde. Das alles scheint dem Rezensenten ganz interessant, für völlig überzogen hält er allerdings den von Beck betriebenen Globalisierungshype sowie die Ankündigung, hier werde der Grundstein für eine "Neue Kritische Theorie" gelegt. "Das Buch", urteilt er deshalb kurzum, "wird die Leser beeindrucken, irritieren, aber auch enttäuschen".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.11.2002

Ist dieses Buch das Ergebnis der Ratlosigkeit des Soziologen Ulrich Beck gegenüber einer globalisierten Welt? Peter Felixberger will in den Vorwurf mancher Kritiker, die Beck das Konstruieren von "Nebelbomben" zur Verschleierung seiner "Sprachlosigkeit" vorwerfen, nicht einstimmen. Er nimmt den Gedanken des Autors eines "Kosmopolitismus", den dieser für ein angemessenes politisches Handeln in der globalisierten Welt fordert, durchaus ernst. Das Credo Becks, dass der Einzelne "im Ort verwurzelt sein und Flügel haben" soll, sei zwar vor allem eine "wunderbare Utopie", die der aktuellen Tagespolitik kaum standhalte, räumt Felixberger ein. Dennoch habe der Autor mit diesem Buch mehr als lediglich ein "aufgeplustertes Wolkenkuckucksheim" geliefert, so der Rezensent zustimmend. Denn Beck vertrete die These, dass die Welt als eine "GmbH ohne Mehrheitseigner" aufgefasst werden müsse und steuere gedanklich auf eine "globale Balance of Powers" zu, in der Nationen nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, fasst Felixberger zusammen. Was dem Rezensenten in diesem Buch allerdings "merklich diffus" erscheint ist die Vorstellung des Autors von einer "kosmopolitischen Linken", die sowohl als "Krisenmanager" als auch als "Wegbereiter" der Globalisierung aktiv werden soll.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.10.2002

Robert Misik hat viel Sympathie für die griffigen Thesen des Soziologen Ulrich Becks, das wird in seiner Rezension ganz deutlich. Deshalb findet er auch sein neues Buch, in dem der medial versierte Forscher einen "selbstkritischen Kosmopolitismus" fordert und Wege zu Rückkehr des Politischen auf internationaler Ebene aufzeigt, trotz einiger Schwachpunkte durchaus interessant und überzeugend. Die Kernthese von Becks neuer Arbeit, die seiner Meinung nach "zur Hälfte eine Studie, zur Hälfte eine Art Manifest ist", gibt Misik wie folgt wieder: "Kosmopolitische Bündnisse und die Perspektiven einer Transnationalstaatlichkeit" sollen der Politik neue Chancen und Felder eröffnen. Zwar gibt es gewisse Parallelen zu anderen Arbeiten, die sich mit modernen politischen Paradigmen beschäftigen, zum Beispiel zu Hardt und Negris "Empire", doch Becks Hauptaugenmerk geht in eine andere Richtung als deren Arbeit: Ihm geht es nach Misik hauptsächlich um "die Machtstrategien verschiedener Akteure". Die zweite Hälfte des Buches ist nach Misiks Eindruck ein "Lobgesang auf die globalisierungskritische Bewegung". Obwohl manche seiner Thesen bei strenger Betrachtungsweise "mit Recht für wissenschaftlich unsauber" gehalten werden können, hat Becks "Plädoyer für eine kosmopolitische Linke" Misiks volle Sympathie.