Innerhalb der postkolonialen und globalen Tendenzen der internationalen Literatur überraschen die Romane aus den deutschsprachigen Ländern durch ihr seismographisches Erfassen von Krisen aus unterschiedlichen Kontinenten, die im Zeitalter der Globalisierung auch die heimische Kultur betreffen. Zum Beispiel die Bürgerkriege der letzten Jahrzehnte mit ihren Menschenrechtsverletzungen und zivilisatorischen Verwüstungen: Es sind die Romanschriftsteller, die durch das Erzählen individueller Schicksale differenzierte Einblicke in die persönlichen und gesellschaftlichen Katastrophen jener Konflikte vermitteln, und die gleichzeitig eine Ästhetik entwickeln, die die Schwierigkeit des Sprechens vom Krieg reflektiert. Es zeichnet sich dabei eine Poetik der Globalisierung ab, bei der historisches Wissen, politische Kritik und ästhetische Innovation durch ein Menschenrechtsethos miteinander verklammert werden.
Dieses Buch gehört für Evelyn Finger in das Regal mit den Klassikern der Antikriegsliteratur. In einer idealen Welt müsste es eigentlich sogar Pflichtlektüre für Außenminister sein. Denn dieses Studie helfe, einige der grausamsten Konflikte der letzten Zeit zu begreifen, und zwar anhand von Gegenwartsliteratur, weshalb dieses Buch für die Kritikerin gleichzeitig das Klischee von der unpolitischen Gegenwartsliteratur widerlegt. Paul Michael Lützelers Verteidigung einer humanistischen Ethik analysiere Texte von Uwe Timm, Norbert Gstrein, Juli Zeh oder Christian Kracht, und mache an ihnen Konflikte in Sri Lanka, auf dem Balkan oder am Golf nachvollziehbar, die von den Medien oft nur als undurchschaubare Ereignisse präsentiert würden. Herausgekommen ist für die Kritikerin damit auch ein "kommentiertes Lexikon der Weherufe", in dem sie darüber hinaus die wichtigsten Theorien des Bürgerkriegs und der Gewalt, des Terrors und des Partisanentums pointiert zusammengefasst fand.
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