Udo Di Fabio

Gewissen, Glaube, Religion

Wandelt sich die Religionsfreiheit?
Cover: Gewissen, Glaube, Religion
Berlin University Press, Berlin 2008
ISBN 9783940432261
Gebunden, 142 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

"Westliche Gesellschaften sind in eine Schweblage der Uneindeutigkeit geraten. Die Säkularisierung geht weiter, ebenso wie die Individualisierung der Lebensstile; zugleich mehren sich Rufe nach neuer Sittlichkeit und regt sich eine religiöse Suche nach Lebenssinn". Allerdings brechen auch überwunden geglaubte Muster des Fundamentalen wieder hervor, bei Frommen wie Agnostikern, kehren gescheiterte Rezepte der Wirklichkeitsflucht wieder. Die Gesellschaft verliert ein gutes Stück ihrer ideellen Mitte, sieht sich zerklüftet in parallele, aber sprachlos nebeneinander stehende Sozialräume. Wir stoßen wieder auf alte Fragen in neuen Zuspitzungen. Zu den Kinderkrankheiten der Aufklärung gehört die rigide Ablehnung der Religion. Man kann aber Glauben respektieren ohne ihn zu teilen, wenn man ein Bild unserer Kultur gewinnt, das mehr als nur eine Dimension besitzt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008

Wie die Bewerbung für eine Stelle am Bundesverfassungsgericht liest sich Patrick Bahners? ganzseitige Rezension des neuen Buches des konservativen Verfassungsrichters Udo di Fabio. Diese Besprechung ist auf gar keinen Fall unterkomplex. Worum es geht, ist noch relativ leicht gesagt: die Trennung von Kirche und Staat. Darum auch, dass, so di Fabio, eine definitiv unterkomplexe Aufklärung erster Ordnung - als deren Vertreterin tritt immerhin Justizministerin Brigitte Zypries auf - das Kind der Religion mit dem Bade der staatlich gewährten Religionsfreiheit auszuschütten droht, etwas vereinfachend, wenn nicht unterkomplex gesagt. Die von der Verfassung geforderte Neutralität bedeutet in Wahrheit, so di Fabio, dass der Staat seinen Bürgern auch und gerade die "Werteordnung des Grundgesetzes" nicht einfach so aufnötigen darf. Er braucht, dies der Geist eben dieser Ordnung, nicht stur Verfassungsgläubige, sondern "eine Pluralität von Bekenntnissen". Natürlich sind damit aber keine Fundamentalisten gemeint, sondern all jene, die ihren Glauben in Richtung rechtsstaatlicher Werte wenden und somit sowohl fundamental-religiösen wie auf der anderen Seite zivilreligiösen Anwandlungen wehren. Am Ende seiner Dissertation zu di Fabios Streitschrift gibt sich der Rezensent "begeistert": ob des vom Autor demonstrierten "Spaßes am Streit", seiner "Eloquenz" und "Klugheit" in der Verteidigung des Glaubens gegen seine allzu neutralitätsbeflissenen Verächter wie seine allzu strengen Verfechter.