Tomas Espedal

Biografie, Tagebuch, Briefe

Cover: Biografie, Tagebuch, Briefe
Matthes und Seitz Berlin, Berlin 2017
ISBN 9783957573674
Gebunden, 347 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Ein Buch wie ein Vermächtnis. Tomas Espedal schreibt in seinem bislang intimsten Buch über die Orte, an denen er lebte, die Frauen, die er begehrte, die Gesichter derer, die er als junger Boxer zertrümmerte, die Bücher, die er las, und über die Liebe zu seiner sterbenden Mutter. Espedal lotet die Grenzen von fiktionalem und autobiografischem Schreiben aus : In jedem der in sich eigenständigen Texte "Biografie", "Tagebuch" und "Briefe" gibt er schmerzvoll preis, wie er wurde, was er ist, bis am Ende der Schriftsteller über die Privatperson siegt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.06.2017

Möglicherweise nur als "Aufwärmübungen" für die nachfolgenden Werke gedacht, sind die zwischen 1999 und 2005 entstanden autobiografischen Skizzen Tom Espedals in Deutschland nun in einem "hochwertig" gestalteten Buch erschienen, freut sich Rezensentin Insa Wilke und fügt hinzu: Der norwegische Autor ist schon hier auf der Höhe seiner Kunst angelangt. Denn die fragmentarischen, bisweilen "epiphanischen" Momentaufnahmen tragen den Leser durch die betonten Schreib-Bewegungen aus Orpheus' Totenreich ins Freie hinaus, versichert die Kritikerin, die in somnambulen Episoden zunächst Espedals Tochter und seiner Geliebten begegnet, um den "trauerschweren" Mann schließlich zu den eindringlich und sensibel geschilderten Erinnerungen an seine verstorbene Frau Agneta zu begleiten. Auch wenn Wilke manche poetologische Reflexion zu kitschig gerät, lässt sie sich gern von Espedals Empfindsamkeit anstecken und fühlt sich nach der Lektüre "heldenhaft wild" und "hart poetisch".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2017

Die zwischen 1999 und 2005 veröffentlichten frühen Arbeiten Tom Espedals, die nun in der deutschen Ausgabe in einem Band erschienen sind, erscheinen Rezensent Nico Bleutge fast noch "anregender" als die beiden Nachfolger "Wider die Kunst" und "Wider die Natur". Denn in diesen geradezu somnambul wirkenden Texten experimentiert der norwegische Autor mit verschiedenen Schreibformen, fährt der Kritiker fort, der bewundert, wie Espedal in seinen fragmentierten Skizzen, Notaten und Denkbildern unterschiedliche Momente "meditativ" umkreist, verknüpft und diesen ganz neue Erkenntnisse abringt. Großartig, wie Hinrich Schmidt-Henkel die langen und rhythmisch fließenden Sätze, in denen Zeiten und Perspektiven immer wieder verschwimmen, ins Deutsche überträgt, lobt der Rezensent, der allerdings gestehen muss, dass Espedal gelegentlich die Kitschgrenze überschreitet.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.06.2017

Auch Andreas Schäfer kommt in seiner Besprechung von Tom Espedals ursprünglich in drei Bänden erschienenen Frühwerks "Biografie, Tagebuch, Briefe" nicht ohne den obligatorischen Knausgard-Vergleich aus. In jedem Fall zieht er Espedal vor, denn wie dieser mit geradezu mönchischer Geduld auf sein Leben schaut, aus der Stille schöpft und zugleich wissend und doch traumhaft "Zwischenwelten" öffnet, stimmt den Kritiker schlicht glücklich. Geradezu magisch entstehen und vergehen in Espedals Miniaturen die Figuren und Bilder, schwärmt der Rezensent, der in diesem "luftleichten Baugerüst aus Schatten" nicht von dem Verlust der Mutter und der Ehefrau des Autors liest, sondern erlebt was "Literatur vermag, ohne Geschichten zu erzählen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.05.2017

Hans-Jürgen Heinrichs findet Tomas Espedal in seinen autobiografischen Texten viel experimenteller als Karl Ove Knausgard. Nicht Kohärenz, sondern Vielschichtigkeit und Heterogenität, Proben, Assoziationen, Risse und Brüche strebt der Autor an, oder besser, er lässt sie geschehen, meint Heinrichs. Der Leser, erklärt er, folgt als Seelen- und Fantasiewanderer auf den Spuren des Autors. Von Heimat keine Spur, so der Rezensent. Und doch gelingt Espedal laut Rezensent, sich an Unsicherheiten entlangzuschreiben und das wahre autobiografische Projekt zu schaffen aus Wunden, Narben und Verlusten. Dass "jeder Satz eine Zerreißprobe" sei und sein Gegenteil bereits mit ahnen lässt, darf den Leser nicht stören, lässt Heinrichs wissen. Die Fülle der vom Autor erfahrenen und offerierten Berührungen verbucht er als Gewinn, ebenso die Möglichkeit des Vergessens, die Espedal mitdenkt, als Gegenspieler der autobiografischen Erinnerung. Ein Fest feinster Beobachtungen, Szenen und Bilder und philosophischer Tiefe findet Heinrichs.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.05.2017

Rezensent Rene Hamann mag den norwegischen Schriftsteller Tom Espedal, der ähnlich wie sein Freund und Kollege Karl-Ove Knausgard in immer neuen Variationen über sich selbst schreibt. Gern lässt sich der Kritiker auch in diesem nun von Hinrich Schmidt-Henkel ins Deutsche übersetzten Buch von Espedal mit in die norwegische Kälte und Einsamkeit nehmen und staunt, wie der Autor in seiner Erzählung um den Verlust der Mutter und der Ehefrau und den Auszug der beiden Töchter immer wieder Momente voller Poesie, Einfühlsamkeit und Herzlichkeit einflicht. Dennoch muss Hamann gestehen, dass er schon bessere Bücher von Espedal gelesen hat. Schon der Titel erscheint dem Kritiker ein wenig irreführend: Vielmehr liest er hier eine Sammlung von Materialien, die Espedal für bereits veröffentlichten Bücher zusammengetragen hat. Und auch wenn Hamann auf diese Weise interessante Einblicke in die Schreibwerkstatt des Autors enthält und zudem die ein oder andere schöne Prosaskizze entdeckt, gerät ihm die Lektüre auf Dauer doch etwas zäh.
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