Claude Simon

Das Pferd

Cover: Das Pferd
Berenberg Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783946334170
Gebunden, 164 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Ein französisches Dragonerregiment bezieht in einer finsteren Regennacht Quartier in einem nordfranzösischen Dorf und wird zum Zeugen des langsamen Sterbens eines verletzten Armeepferdes. In der Agonie des Tieres und in seinen großen Augen spiegelt sich die Apokalypse des Krieges in einer fast intimen Szenerie. Die Soldaten, der Erzähler und Maurice, der Jude, der weiß, was kommen wird, versuchen, in der Dunkelheit der Regennacht ihr eigenes Schicksal zu ergründen. Claude Simons Erzählung von 1958 führt mitten hinein in das thematische Universum des Nobelpreisträgers: das französische Debakel im Zweiten Weltkrieg und das Schicksal des in deutsche Gefangenschaft geratenen Kavalleristen Claude Simon.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2017

Rainer Moritz hält die späte Veröffentlichung von Claude Simons im Original 1958 erschienener Erzählung für eine kleine Sensation. Raffiniert strukturiert scheint Moritz der konzentrierte Text, der den zweitägigen Aufenthalt eines gegen die deutschen Besatzer kämpfenden Regiments in einem nordfranzösischen Dorf umkreist. Den Höhepunkt der Erzählung, die Schilderung des qualvollen Todes eines Pferdes, findet Moritz grandios, von komplexer Syntax und mit verblüffenden Bildern. Meisterlich scheint ihm, wie der Autor plane Psychologismen meidend experimentiert, ohne seinen Fokus, das Grauen des Krieges, zu vernachlässigen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2017

Rezensent Ulrich Raulff preist die 1958 erschienene, nun auf Deutsch vorliegende Erzählung von Claude Simon als Keimzelle von Simons späteren Texten wie "Akazie" oder "Jardin des Plantes". Raulff erkennt das Motiv der unschuldig leidenden Kreatur im Text wieder, doch nicht so sehr als Empathiesignal, sondern als Teil eines Stillebens, das den Moment zwischen Leben und Tod als Augenblick letztgültiger Schönheit heraufbeschwört. Die taktvollen Sätze, mit denen der Autor laut Raulff den Tod des Tieres beschreibt, wirken auf den Rezensenten mit ihrem Rhythmus eher "erritten" als erschrieben.
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