Stefan Hertmans

Die Fremde

Roman
Cover: Die Fremde
Hanser Berlin, Berlin 2017
ISBN 9783446254695
Gebunden, 272 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm. Als Stefan Hertmans erfährt, dass seine zweite Heimat, der Ort Monieux in Frankreich, vor tausend Jahren Schauplatz eines Pogroms durch die Kreuzritter war, begibt er sich auf Spurensuche. Unter den Überlebenden soll eine junge Frau christlicher Herkunft gewesen sein. Diese historisch verbürgte Figur lässt ihn nicht mehr los, er tastet sich erzählend an ihr Leben heran. Vigdis nennt er die Frau, die für die Liebe zum Sohn des Rabbi ihre Existenz aufs Spiel setzt und zu Hamutal wird, die alles verliert und ganz allein nach Jerusalem aufbricht. Mit seiner literarischen Rekonstruktion dieser Geschichte von Liebe, Gewalt und religiöser Verfolgung ist Hertmans ein gegenwärtiger Roman gelungen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2017

Rezensent Lothar Müller spürt, wie die Unruhe des Autors Stefan Hertmans aus der Gegenwart Europas herrührt, wenn Hertmans die Geschichte der Flucht eines jüdischen Paares während der Pogrome im Frankreich des 11. Jahrhundert nacherzählt. Dazu passt laut Rezensent, dass der Autor nicht die Form des historischen Romans wählt, sondern ausgehend von seinen Nachforschungen in Chroniken und Manuskripten mit obsessiver Nähe erzählt. Als Vergegenwärtigungsprozess erfährt Müller die Lektüre des Textes, der zwar aus historischem Wissen schöpft, wie der Rezensent feststellt, doch aufs Jetzt verweist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.02.2017

Anja Hirsch hätte Stefan Hertmans Romanprojekt mehr Ruhe und erzählerischen Fokus gewünscht. Dass der Autor in seiner Geschichte einer vom Christen- zum Judentum konvertierten Frau im finsteren Mittelalter zwei Kardinalfehler des historischen Romans vermeidet, rechnet sie ihm allerdings hoch an: die Historisierung und die Verwendung der Kreuzzüge nur als Schauerdekor. Stattdessen kann sie der Autor mit lebendigen Beschreibungen gefühlter Fremdheit überzeugen und so den historischen Stoff ins Aktuelle heben. Auch wie sich Hertman auf dürftiger Quellenbasis in die Zeit der Kreuzzüge und großen Flüchtlingsströme im Mittelmeerraum einfühlt, ohne als Alleserklärer aufzutreten, findet Hirsch bemerkenswert. Leider scheint ihr der Autor in der Begeisterung für seinen Stoff übers Ziel hinauszuschießen und allzu reißerisch darzustellen, was Hirsch lieber durch die Stimme der Protagonistin vernommen hätte.