Aus dem Englischen von Birgit Brandau. Weltpolitik ist auch Geopolitik. Alle Regierungen, alle Staatschefs unterliegen den Zwängen der Geographie. Zum Beispiel Russland: Von den Moskauer Großfürsten über Iwan den Schrecklichen, Peter den Großen und Stalin bis hin zu Wladimir Putin sah sich jeder russische Staatschef denselben geostrategischen Problemen ausgesetzt, egal ob im Zarismus, im Kommunismus oder im kapitalistischen Nepotismus. Die meisten Häfen frieren immer noch ein halbes Jahr zu. Nicht gut für die Marine. Die nordeuropäische Tiefebene von der Nordsee bis zum Ural ist immer noch flach. Jeder kann durchmarschieren. Russland, China, die USA, Europa, Afrika, Lateinamerika, der Nahe Osten, Indien und Pakistan, Japan und Korea, die Arktis und Grönland: In zehn Kapiteln zeigt Tim Marshall, wie die Geographie die Weltpolitik beeinflusst und beeinflusst hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.05.2016
Tim Marshalls geopolitische Weltgeschichte hat Rezensent Werner Hornung mit großer Freude gelesen, allerdings empfiehlt er die Lektüre nur in Verbindung mit einem zuverlässigen Diercke Weltatlas. Das Kartenmaterial nennt Hornung eine Katastrophe, ausgerechnet die Grenze zwischen Russland und der Ukraine sei total verwischt. Sonst hat der Rezensent viel gelernt über natürliche Grenzen, Meere und schiffbare Flüsse oder die friedensstiftende Macht von Gebirgszügen. Bemerkenswert findet er auch, dass Russland egal unter welchen ideologischen Vorzeichen immer vor dem Problem stand, keine eisfreien Häfen zu haben. Dass die nordeuropäische Tiefebene keine Barriere für rollende Panzer bereithält, ist ebenfalls ein unerschöpfliches Thema der Geopolitik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2016
Mona Jaeger weiß, dass die Geopolitik lange Zeit nicht besonders hoch im Kurs stand. Auch jetzt würde sie sie immer noch überbewerten, doch von Tim Marshall lässt sie sich gern noch einmal darauf hinweisen, welche Bedeutung natürliche Häfen, schiffbare Flüsse, Gebirgsketten und Rohstoffe für die politische Position eines Landes haben. Das alles erscheint ihr nicht sonderlich neu, aber gut auf den Punkt gebracht: Wer die Kontrolle über die Seewege hat, wie die nordeuropäische Tiefebene einen Panzervormarsch ermöglicht und warum die USA das Glückskind der Natur sind.
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