Zwei Jahrzehnte ist das 21. Jahrhundert jetzt alt, und die Konturen einer neuen Welt(un)ordnung werden immer deutlicher erkennbar: der Aufstieg Chinas, die Verlagerung der weltpolitischen Achse hin zum Pazifik, eine zunehmend konfuse Weltmacht USA, die in den Nationalismus zurückfällt, eine frustrierte Nuklearmacht Russland, ein stagnierendes Europa … Seit dem Abstieg der USA als globale Ordnungsmacht nach 1989 gibt es eine gefährliche neue Rivalität nuklearer Weltmächte, die jederzeit eskalieren kann: Korea, Hongkong, Kaschmir, Iran, Jemen, Syrien, Ukraine. Ein neues Wettrüsten. Handels- und Technologiekrisen. In dieser Situation wird die Transformation Europas in eine souveräne weltpolitische Macht zu einer entscheidenden Zukunftsfrage, die ohne einen selbstbewussten Beitrag und die volkswirtschaftlichen Ressourcen Deutschlands und Frankreichs nicht gelöst werden kann. Erkennt die deutsche Politik die Zeichen der Zeit?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.03.2020
Werner Weidenfeld scheint enttäuscht von Joschka Fischers neuem Buch. In der Krise bietet ihm der Autor jede Menge Fragen, aber kaum Antworten. Auch wenn Fischer keine Wissenschaft betreibt, sondern einen "großen Essay" vorlegt, enthält der Band für Weidenfeld zu wenig Handlungsperspektiven und zu viel sozialkundliches Elementarwissen. Was für ihn sichtbar wird: Fischers Interesse an China als neuer Weltmacht sowie aktuelle Herausforderungen "im Blick auf die eigene Identität", Stichwort: Digitalisierung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2020
Thomas Speckmann entdeckt nichts wirklich Neues bei Joschka Fischer. Daran, dass der Ex-Außenminister sich alle paar Jahre mit Gedanken zur Weltlage zu Wort meldet, hat er sich gewöhnt, ebenso an Fischers wenig originellen, eher blassen Thesen. Im neuen Buch, meint er, bleibt der Autor sich weitgehend treu. Zwar trifft Fischer mit der Feststellung einer Verlagerung der globalpolitischen Zentralachse hin zum Pazifik und China sowie der Konstatierung europäischer Stagnation ins Schwarze, doch schon Fischers Sicht auf die USA findet Speckmann strittig. Die neue, hier beschriebene Weltlage hält Speckmann eher für einen spekulativen Blick in die Zukunft, keine neue Weltordnung, eher eine Unordnung.
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