In seinem neuen Buch betrachtet Paul Collier die Demokratisierungsversuche der ärmsten Länder der Erde und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Wahlen, von den reichen Geberländern als erster, entscheidender Schritt auf dem Weg zur Demokratie gepriesen, verstärken in vielen armen Ländern die politische Gewalt und vertiefen gesellschaftliche, oft auch ethnische Gräben. Statt ein friedliches, demokratischeres Gemeinwesen zu schaffen, enden Wahlen in armen Ländern meist in der Festigung des herrschenden Regimes oder gar in Putschen und Bürgerkriegen. Das Elend der Bevölkerung wächst dadurch unweigerlich. Paul Collier plädiert deshalb für einen radikalen Wandel in unserem Bemühen um eine Demokratisierung armer Staaten. Statt mit der Durchführung von Wahlen nur demokratische Fassaden aufzubauen, müssen die reichen Industriestaaten den Ländern der »untersten Milliarde« mehr internationale Sicherheit bieten, damit sie ihren eigenen Weg zur Demokratie finden. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn wir völlig neu über humanitäre und militärische Interventionen nachdenken.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.11.2009
Einen zwiespältigen Eindruck hat Paul Colliers Studie über die Demokratisierung in den ärmsten Ländern der Erde bei Rezensent Victor Mauer hinterlassen. Erhellend scheint ihm die Anaylse, dass der Frieden in "Postkonfliktgebieten" besonders gefährdet ist und dass einkommensschwache Länder ein besonders hohes Bürgerkriegsrisiko haben. Auch die pointierte Darstellung von Voraussetzungen und Irrtümern moderner Entwicklungspolitik haben ihn überzeugt. Colliers Lösungsvorschläge indes sind für Mauer eine Enttäuschung. Sie sind seines Erachtens nicht geeignet, die dysfunktionalen Demokratien der untersten Milliarde aus deren Delirium zu ziehen. Dafür hält er sie für zu wenig konkret und zu wirklichkeitsfremd. Die Stärke der Studie liegt in Mauers Augen eindeutig in der ungeschönten Darstellung von entwicklungspolitischen Fehlentwicklungen, die zu einer Suche nach neuen Strategien drängt.
Obwohl im Einzelnen methodisch und "in so mancher Interpretation" fragwürdig empfindet Rezensent Andreas Eckert diese Strategievorschläge für eine Demokratieförderung in Afrika als "wichtiges Beispiel" für einen ernsthaften Versuch, die gegenwärtige Situation in Afrika differenziert zu erklären. Auch verdeutlicht das Buch des Direktors des "Zentrums für die Erforschung afrikanischer Ökonomien" an der Universität Oxford dem Rezensenten, wie schwer es ist, Handlungsanleitungen für eine Zukunft Afrikas zu formulieren. Im Wesentlichen handele Paul Colliers Buch von den fatalen Konsequenzen westlicher Demokratisierungsversuche und Entwicklungshilfe in Afrika, von denen eine die "Ethnisierung der Politik" sei. Colliers Vorschläge, wie aus den Fehlern zu lernen sei und die Demokratisierung dennoch weiter verfolgt werden könne, stoßen beim Rezensenten allerdings auf Skepsis.
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