Wir versuchen immer wieder, uns und andere davon zu überzeugen, dass China sich derzeit ändert und die politische Liberalisierung im Reich der Mitte Einzug halten wird. James Mann übt Kritik an dieser naiven Sichtweise und entwirft neben der Möglichkeit der Demokratisierung und Liberalisierung oder einem anderweitigen Umsturz der Regierung Chinas ein drittes mögliches Szenario: das Verharren der Volksrepublik in alten Strukturen. Nur wenn wir dieses Szenario berücksichtigen, können wir effektiv entscheiden, wie künftig mit China umzugehen ist.
Nicht so ganz glücklich ist Rezensent Tilman Spengler mit diesem China-Buch des Korrespondenten der Los-Angeles-Times geworden, obwohl er dessen Fragestellung prinzipiell für wichtig hält - die Frage nämlich, welches China-Bild von der Politik verbreitet wird, wie es zu Stande kommt und welches Ziel damit verfolgt werden. Denn erstens ist das Buch aus Sicht des Rezensenten zu stark aus amerikanischer Sicht heraus geschrieben, um auch in europäische Relevanzzonen vorzudringen. Zweitens suggeriere der Untertitel des Buches , es wäre anders, obwohl beispielsweise fatale französische Positionen völlig fehlten. Drittens geht James Mann aus Sicht des Rezensenten insgesamt wohl ein wenig zu freundlich mit den amerikanischen Politikern um. Und viertens fällt der Autor dem Rezensenten mit allzu leichtfertigem Übersehen grundsätzlicher Mentalitätsunterschiede zwischen den USA und China auf. Im übrigen unterliegt der Autor, der mit diesem Buch aufbrach, Selbsttäuschungen des Westens über China aufzudecken, nach Ansicht von Spengler selbst diverser Täuschungen, der nichts desto trotz bei mancher Schilderung "grimmiges Vergnügen" empfand.
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