Ein neues Standardwerk zur Renaissancephilosophie, das entlang dem Fächerkanon der humanistischen Gelehrten, den studia humanitatis, gegliedert ist: Sprache (Grammatik, Dialektik, Rhetorik), Ethik, Politik, Historik, Poetik. Hinzu kommen ein Kapitel zur Naturtheorie sowie eines über die Liebe, die ein Grundthema der Renaissance war. Drei gesonderte Abschnitte zu Francesco Petrarca, Nicolaus Cusanus und Marsilio Ficino runden das Werk ab.
Auf
allerhöchstem Niveau, dabei die historischen Grundbedingungen wie
die rasante Wissensentwicklung und Weltexploration, Protestantismus
und Konfessionalisierung, aber auch Faktoren wie die Ausbreitung der
Pest und die Rivalität zum kirchlichscholastischen
Denken im Blick
behaltend, beschreibt das Werk die faszinierende, komplizierte, von gegensätzlichen
Kräften und Denkschulen vorangetriebene Entwicklung
hin zum modernen Denken.
Eine Einleitung, ausführliche Register und eine Bibliografie erschließen
das Werk.
Für den hier rezensierenden Philosophen Enno Rudolph ist Thomas Leinkaufs zweibändiger "Grundriss Philosophie des Humanismus und der Renaissance" schlicht ein Meisterwerk. Informativ, kenntnisreich und präzise kann ihm der Münsteraner Philosophie-Professor auf knapp 2000 Seiten das philosophische Denken jener Epoche vermitteln, die er mit Blick auf Materialismus und Naturalismus nicht nur als "Renaissance", sondern auch als "frühe Neuzeit" bezeichnet, wie Rudolph informiert. Der Kritiker lobt den Autor nicht nur dafür, dass er den traditionellen Kanon der Artes liberales um den Themenbereich "Politik" erweitert, sondern liest auch mit großem Interesse Leinkaufs Porträt des florentinischen Arztes und Humanisten Marsilio Ficino, den er in den Mittelpunkt seines Renaissance-Panoramas setzt. Dass Darstellung und Kritik bisweilen durcheinander geraten und die argumentativen Passagen der reinen Erzählung ein wenig Raum nehmen, geht für den Rezensenten in Ordnung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.03.2017
Dirk Pilz erkennt die Überschneidungen zwischen Mittelalter und Moderne mit Thomas Leinkaufs geistesgeschichtlichem Porträt des Humanismus und der Renaissance. Die Information ist laut Rezensent allerdings nicht leicht zu bekommen, denn der Umfang ist abschreckend, und der Experte befürchtet ein allzu grobes Epochenbild. Dass der Autor mit "enormer Fleißarbeit" dennoch zu bemerkenswerten Erkenntnissen gelangt, liegt laut Pilz daran, dass er abseits der Philosophiegeschichte auch Exkurse in die Kunst sowie die Natur- und Technikgeschichte wagt und Geistesgeschichte nicht als chronologischen Aufstieg begreift, sondern als Geflecht von Wechselwirkungen. Wenn Leinkauf dabei immer wieder die Großbögen seiner Erzählung aus dem Blick verliert, erschwert das allerdings die Lektüre, moniert Pilz.
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