Ingeborg Walter, Roberto Zapperi

Das Bildnis der Geliebten

Geschichten der Liebe von Petrarca bis Tizian. Die Wiedergeburt der Liebe in der italienischen Renaissance
Cover: Das Bildnis der Geliebten
C. H. Beck Verlag, München 2007
ISBN 9783406555022
Gebunden, 160 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Mit 18 Abbildungen, davon 9 in Farbe. Dieses Buch schildert, wie aus einem Ritual der idealen Anbetung der geliebten Frau schließlich eine Form der Liebeserklärung wird, die durchaus eine sinnliche Erfüllung zuließ. Die Liebe zu Laura, die Petrarca im 14. Jahrhundert in seinem "Canzoniere" besungen hatte, wurde im 15. Jahrhundert zum Paradigma für ein Gesellschaftsspiel der Liebe, für ein Ritual, wie die Geliebte verehrt und angebetet werden sollte. Diese Regeln sahen neben der poetischen Hommage auch die Anfertigung eines Bildnis der Geliebten vor, wie Petrarca es angeblich von seiner Laura hatte malen lassen. An die Stelle der imaginären Laura traten nun reale junge Damen, von denen ebenso reale Bildnisse gemalt wurden.
Das von Lorenzo de'Medici erfundene Spiel fand schnell Nachahmer in Italiens höheren Kreisen. Nicht nur große Herren und Fürsten, auch Kardinäle widmeten sich ihm. Aber es blieb nicht immer bei der idealen Liebe, der Verehrung aus der Ferne; das Ritual löste wirkliche Gefühle aus, die zu sinnlich erfüllten Beziehungen führten. Das galante Spiel einer elitären Gesellschaft, in dem die ideale Liebe sich mit sinnlicher Leidenschaft vermischte, fand sein Ende in der Gegenreformation, die die unüberwindbare Dichotomie von (verbotener) Sexualität und (erlaubter) Ausübung in der Ehe wieder herstellte. Dem Ritual verdanken wir einige der größten Meisterwerke der italienischen Renaissance - wie Leonardo da Vincis Bildnisse der Ginevra Benci oder der Cecilia Gallerani - und einige der schönsten Liebesgeschichten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2008

Sehr gern hat sich Christine Tauber mit Autor Roberto Zapperi und dessen Ehefrau, die Übersetzerin und in diesem Fall Mitautorin Ingeborg Walter, auf Spurensuche bei berühmten Liebespaaren der Renaissance begeben. Die Autoren bemühen mit Recht den Begriff des Rituals, um die Verbindung von Paaren wie Lorenzo de Medici mit Lucretia Donati oder Alessandro Farnese mit Faustina Mancini, später abgelöst von Livia Colonna, zu beschreiben, meint die Rezensentin, die den stets gleichen Ablauf dieser "öffentlichkeitswirksamen" und dabei platonischen Liebesbeziehungen hervorhebt. Zentrale Rolle bei der Inszenierung spielen die Zeugnisse dieser Liebe, insbesondere das Porträt, und hier hätte sich Tauber interessante Rückschlüsse auf die Bildnisse beispielsweise von Leonardo oder Tizian vorstellen können, die die Autoren aber zu ihrem Bedauern nicht ziehen. Die Lektüre hat sie offensichtlich dennoch genossen, denn sie lobt den Band als stilistisch geschliffen und als gute Einführung in die Liebeswelt der Renaissance.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2007

Hingerissen zeigt sich Rezensentin Franziska Augstein von Roberto Zapperis und Ingeborg Walters Buch über die "Wiedergeburt der Liebe in der italienischen Renaissance". Dabei lässt sie keine Zweifel daran, dass die Aristokratie in der Renaissance in Sachen sexueller Freizügigkeit der Gegenwart kaum nachstand. Den entscheidenden Unterschied zu heute sieht sie in dem Umstand, dass die Adeligen damals ihre Lüste in einem nur scheinbar züchtigen Ritual zu bemänteln hatten. Sie berichtet über die weite Verbreitung dieses von Petrarca ausgegangene Rituals einer idealen Anbetung und Verehrung einer geliebten Frau, zu dem neben der poetischen Verehrung auch die Anfertigung eines Bildnisses der Geliebten gehörte. Zapperis und Walters Darstellung von Entstehung, Entwicklung und Weiterleben dieses Kults lobt Augstein als überaus lebendig und vergnüglich.
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