Klappentext

Stefan George war unter den deutschen Dichtern im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zweifellos der einflussreichste. Er hat die deutsche Lyrik entscheidend geprägt. Seinen Ruhm verdankte George allerdings weniger seinen Gedichten als vielmehr der Tatsache, dass er sich so perfekt inszeniert hat wie kaum jemand vor ihm. Legendär - und bis heute umstritten - war auch der so genannte George-Kreis, ein dem Dichter treu ergebener Männerbund. An diesem Kreis schwärmerisch begeisterter Jünglinge entwickelte Max Weber sein Modell der "charismatischen Herrschaft". An der Person Georges lässt sich zeigen, was Macht über Menschen wirklich bedeutet. In seinem Werk finden sich zahlreiche Berührungspunkte mit dem Nationalsozialismus (George starb 1933), viele sahen in ihm einen "Wegbereiter". Und doch steht am Ende dieses Weges das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944: Verübt hat es Claus von Stauffenberg, einer der letzten Vertrauten Georges.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007

Mit einem kleinen Seitenhieb auf die Germanistik, die es nicht vermocht habe, eine solche Biografie zustande zu bringen, lobt Rezensent Friedmar Apel den "freien Autor" Thomas Karlauf für sein Unternehmen. Er bescheinigt ihm, die Masse des Materials gut bewältigt zu haben und sauber mit den Quellen umgegangen zu sein. Trotz Karlaufs Entscheidung, Georges Texte ausdrücklich nur als biografische Belege zu nehmen, sei ihm eine differenzierte Einschätzung von George und seinem Kreis gelungen. Wichtiges Mittel hierzu sei die Max Webersche Definition charismatischer Herrschaft, nach deren Kriterien der Autor Entstehung und Alltag dieses Männerbundes abgeklopft habe. Etwas unzufrieden ist der Rezensent mit dem eher ungenauen Gebrauch von Kennzeichnungen der Männerbeziehungen im George-Kreis als homosexuell, homoerotisch, 'Verherrlichung der Knabenliebe' etc. Die Diskussion darüber, ob Stefan George und sein Kreis als proto-faschistisch (nicht sein Ausdruck!) bezeichnet werden müsste, diskutiert Karlauf, so Apel, mit feiner Differenzierung. Für den Rezensenten liegt mit diesem Buch eine bedeutende Biografie, gar ein "Lehrstück über den folgenschweren Irrweg der literarischen Intelligenz in Deutschland" vor.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2007

Vollkommen begeistert ist Rezensent Manfred Koch von Thomas Karlaufs Buch über Stefan George. Indem der Autor sowohl die Person des Dichters als auch die "Entdeckung des Charismas" in den Mittelpunkt stellt, kann er zugleich die die Persönlichkeit Stefan Georges prägenden Lebensstationen herausarbeiten, wie auch die seit Max Weber als "Herrschaftsform" geltende Eigenschaft des Charismas als Funktionsprinzip des sektenähnlichen George-Kreises analysieren, stellt der Rezensent hochzufrieden fest. Gerade, dass Karlauf beherzt und nüchtern die Homosexualität Georges und die Homophilie seiner Anhänger unter die Lupe nimmt und dabei für die poetischen Umschreibungen der Knabenliebe sehr moderne Termini findet, trägt ihm die Bewunderung des Rezensenten ein. Hingerissen ist er auch von den treffenden, dabei ausgewogenen Charakterisierungen verschiedener Mitglieder des George-Kreises. Hervorragend findet Koch auch dargestellt, wie sich George zwar aus der Tagespolitik demonstrativ heraushielt, dafür aber einen "diffusen Willens zur Tat" schürte, der der nachfolgenden Hitler-Begeisterung den Weg bereitet habe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.09.2007

Thomas Karlaufs voluminöse Biografie Stefan Georges hat Rezensent Manfred Schneider recht beeindruckt. Zwar kann der Autor seines Erachtens das Rätsel dieser "unzeitgemäßen Dichterexistenz in der Moderne" nicht lösen. Er bescheinigt ihm aber, durch seine Darstellung, die eine ungeheure Fülle von Fakten, Ereignissen, Personen und Worten bietet, sehr zum Verständnis Georges beizutragen. Schneider lässt dabei keinen Zweifel daran, dass er ein großer Verehrer des "Meisters" ist, den er für einen der größten Dichter des 20. Jahrhunderts hält. Sein Interesse gilt vor allem dem poetischen Staat, den George als Führer, Dichter und Prophet um sich versammelte. Allerdings hält er dem Autor hier vor, seine Betonung des Charismas zur Erklärung von Georges Wirken lasse andere Aspekte unterbelichtet, so dass letztlich nicht klar werde, wie dessen Herrschaft tatsächlich funktionierte. Auch Karlaufs Umgang mit der Dicht-Kunst Georges betrachtet er teilweise skeptisch und kritisiert, dass er dessen Verse "vor allem als Ornament" zitiere. Gleichwohl lobt Schneider abschließend Karlaufs Treue zu Georges Wort - "trotz aller Distanz und dank souveräner Darstellung".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.08.2007

"Ein Buch von stupender Kenntnis!" staunt Rezensent Fritz J. Raddatz über diese George-Biografie, die aus seiner Sicht "auf faszinierende Weise" das Leben dieses seltsamen und abgründigen Dichters nachzeichnet. Trotzdem kann er sich dem überschwänglichen Lob der Kollegen für dieses Buch nicht ganz anschließen. Denn erstens legt Thomas Karlauf für seinen Geschmack zu viel Gewicht auf Stefan Georges Homosexualität und bringe dabei auch noch ständig Homosexualität mit Homoerotik durcheinander. Zweitens lässt sich Karlauf aus Raddatz' Sicht nicht tief genug auf Georges Dichtung ein. Gern hätte sich Raddatz nämlich von einer George-Biografie mit auf die "Reise ins Geheimnis" nehmen lassen. Das von der dunklen Blume oder dem geheimen Deutschland zum Beispiel. Aber Karlauf bleibe braver Chronist, ein Funke springe nicht über. Keine "Ergriffenheit vor dem Eigentlichen", sondern lediglich "staunenswerte Emsigkeit". Auch stört Raddatz der gerade für eine George-Arbeit nicht unwesentliche Tatbestand, dass Karlauf für sein Empfinden keine "eigene Sprache" habe, sondern im "Jargon der E-Mail und iPod-Generation schreibe.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.08.2007

Mit hohem Lob bedenkt Alexander Camman diese umfangreiche Biografie Stefan Georges, die Thomas Karlauf vorgelegt hat. Dass dieser Dichter noch heute unvergessen sei, hält Camman für eine Legende. Im Unterschied zu Gottfried Benn scheint ihm George von der Bildfläche verschwunden und nunmehr ein bloßes Objekt weniger Literaturwissenschaftler und Esoteriker. Umso mehr begrüßt er Karlaufs Arbeit, zumal George wegen seiner historischen Ferne in seinen Augen kaum ein breiteres Publikumsinteresse finden dürfte, und auch, weil es kaum einen Dichter gibt, der mehr von Stilisierungen und Fälschungen, Mystifikationen und Geheimnissen umrankt ist. Die Stärke der Arbeit sieht Camman in ihrer Nüchternheit, in ihrer "stilistischen Askese", die ihn überaus beeindruckt hat. Ausführlich geht er auf das Leben Georges ein, an dem sich schon zu Lebzeiten die Geister schieden. Dabei bescheinigt Karlauf nicht nur, das bisweilen höchst komisch anmutende "Lebensschauspiel" des Dichters akribisch zu rekonstruieren, sondern auch, dessen Herrschaftspraktiken und den "homoerotischen Kern" seines Werks zu enthüllen. Georges Dichtung sei "der ungeheuerliche Versuch, die Päderastie mit pädagogischem Eifer zur höchsten geistigen Daseinsform zu erklären", zitiert Camman den Autor in diesem Zusammenhang. Als wohltuend empfindet er auch, dass Karlauf George nicht "pseudoaktualisierend" in die Gegenwart zerrt, sondern ihn als "fiebernde Figur einer nervösen Epoche" historisiert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.08.2007

Höchste Zeit für dieses Buch, meint Rezensent Jens Bisky und dankt dem Verfasser Thomas Karlauf für die Errettung Stefan Georges "vor Vergötzung wie Verdammung". Für Bisky ist diese Biografie Abenteuer und "intelligent komponiertes" Porträt in einem. Das Scheitern einer George-Renaissance, findet Bisky, pariert es mit "historisch aufgeklärter Erinnerung". Dazu gehören Georges Texte ebenso wie Zeitgeschichte, die der Autor in "angemessenem Ton" einbringt. Überraschungen und Enthüllungen zum George-Kreis erscheinen dem Rezensenten angenehm unaufdringlich präsentiert, so dass die "ästhetische Größe" von Dichter und Werk davon unberührt bleibe. Biskys abschließender Wunsch nach mehr Analyse und Kontext in einzelnen Kapiteln tut seiner Begeisterung für den Band keinen Abbruch.
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