Karl Christ

Der andere Stauffenberg

Der Historiker und Dichter Alexander von Stauffenberg
Cover: Der andere Stauffenberg
C. H. Beck Verlag, München 2008
ISBN 9783406569609
Gebunden, 200 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Hatte Alexander von Stauffenberg bis zum 20. Juli 1944 seinen Weg als Jünger Stefan Georges sowie als Dichter, Althistoriker und Soldat genommen, geriet er danach in die Fänge der Gestapo, kam in Sippenhaft, durchlief verschiedene Konzentrationslager und verlor in den letzten Kriegstagen seine geliebte Frau Melitta, die ihn offenbar aus der Lagerhaft befreien wollte. Nach amerikanischer Kriegsgefangenschaft lebte er, existentiell erschüttert und weitgehend mittellos, am Bodensee - gestützt von einstigen Mitstreitern seiner Brüder und alten Weggefährten. Eine neue Ehe und die Berufung auf den Münchener Lehrstuhl für Alte Geschichte halfen ihm, die materielle Not zu überwinden, und eröffneten ihm neue Lebensperspektiven. Seine eigenwilligen Arbeiten, sein dichterisch-wissenschaftlicher Stil und seine Sensibilität für gesellschaftliche und politische Veränderungen ließen ihn zu einem fachlichen Außenseiter und unbequemen Mahner werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.06.2008

Der Biografie "Der andere Stauffenberg" des kürzlich verstorbenen Althistorikers Karl Christ fehlt nach Meinung des Rezensenten Hans-Albrecht Koch zwar die "letzte Feile", dennoch liefert sie ihm ein anschauliches Bild dieses universitären Außenseiters. In seiner Besprechung skizziert Koch den Lebensweg Stauffenbergs und legt besonderes Gewicht auf dessen frühe Begegnung mit Stefan George, dessen "Jünger" er wurde. Die spannungsgeladene Berufung auf den Münchener Lehrstuhl für Geschichte und die Beliebtheit des Historikers unter seinen Studenten konnte Koch der Biografie ebenso entnehmen wie eine informations- und aufschlussreiche Darstellung der zweiten Frau Marlene durch die gemeinsame Tochter Gudula Knerr-Stauffenberg.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2008

Was und vor allem wie der kürzlich verstorbene Karl Christ über Alexander von Stauffenberg schreibt, findet Patrick Bahners beeindruckend. Die zum Tragen kommende Kombination aus bibliografischer Gründlichkeit und "aussparendem Stil" erscheint dem Rezensenten dem Gegenstand angemessen. Dass Christ hier die "Tatsachen des Schicksals", angereichert durch "persönliche Auskünfte", sprechen lässt und nicht etwa "psychologische Spekulation" betreibt, gefällt Bahners gut, führt, wie er einräumt, aber nicht zum "ausgewogenen Bild", sondern verleitet zum Weiterlesen - der Gedichte Stauffenbergs und des "Dreibruderbuchs" von Peter Hoffmann etwa. Für Bahners augenscheinlich nicht der schlechteste Impuls.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2008

Nach Manfred Riedels 2006 erschienener Studie macht sich nun Karl Christ daran, den am wenigsten bekannten Stauffenberg, den Althistoriker Alexander Schenk Graf von Stauffenberg ins Licht zu holen, teilt Rezensent Alexander Kissler mit. Der Autor streicht zu Recht die überragende Bedeutung Stefan Georges für Stauffenbergs intellektuelle Entwicklung - nicht nur, aber auch als Historiker - heraus, so der Rezensent anerkennend. Dann aber stellt er fest, dass Christ sein Augenmerk weder auf den George-Kreis, noch auf das politische Engagement seines Protagonisten nach dem Zweiten Weltkrieg legt, sondern sich ganz auf Stauffenbergs Wirken als Historiker konzentriert. Etwas fragwürdig erscheint es dem Rezensent schon, dass Christ Briefe als Quellen nur selten zurate zieht, um sich ein Bild von der Persönlichkeit Stauffenbergs zu machen. Widersprüchlich findet er, dass Christ in seinen Ausführungen zwar davon ausgeht, Stauffenberg habe nichts von den Attentatsplänen seiner beiden Brüder gewusst, im Anhang aber die Aussage der Tochter stehen lässt, ihr Vater sei selbstverständlich eingeweiht gewesen. Und der trockene, "das Gutachterliche streifende" Ton macht die Lektüre dieser Biografie wohl nicht zum reinen Vergnügen, wenn Kissler auch wohlwollend ihre Bedeutung herausstreicht.
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