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Klaus-Jürgen Müller

Generaloberst Ludwig Beck

Eine Biografie
Cover: Generaloberst Ludwig Beck
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2007
ISBN 9783506728746
Gebunden, 835 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Mit zahlreichen Abbildungen. Klaus-Jürgen Müllers Biografie über Ludwig Beck ist die Summe seiner langjährigen Auseinandersetzung mit dem Leben dieses Offiziers, der von 1935 bis 1938 als Generalstabschef des Heeres Mitgestalter der neuen Wehrmacht war, aber während der Sudetenkrise 1938 als einziger unter den militärischen Entscheidungsträgern aus Protest gegen Hitlers Kriegspolitik zurücktrat. Am 20. Juli 1944 wurde Beck als einer der führenden Köpfe des nationalkonservativen Widerstands hingerichtet. Müller stellt das Leben Becks nicht unter einen einzigen zentralen Aspekt, den des Widerstands. Das griffe für einen Mann, der 40 Jahre seines Lebens unter drei verschiedenen politischen Ordnungen im aktiven Dienst verbrachte, viel zu kurz. Er ordnet Beck vielmehr in die Entwicklung des deutschen Offizierkorps vom Zenit des Kaiserreichs bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ein.
Müller begreift Beck als Ausnahmeerscheinung innerhalb seiner Offiziersgeneration - als Typus des kultivierten, gebildeten Bürgers, dessen von der Familie geprägte geradlinige Moral und intellektuelles Ethos sein ganzes Leben bestimmten. Sie befähigten ihn, einmal als richtig erkannten Einsichten gegen alle Zwänge seines beruflichen Milieus unbeirrbar zu folgen. Gerade in Konfliktsituationen erwiesen sie sich als stärker als seine militärische Erziehung oder als Karrierestreben.
Inhaltlich beanspruchte Beck, ganz der preußischen Militärtradition folgend, für das Militär eine der Politik gleichberechtigte Führungsrolle in Staat und Gesellschaft. Dieser politisch-soziale Eliteanspruch unterschied ihn u. a. von seinen Rivalen Keitel und Fromm, die in den Kategorien einer bloßen Funktionselite dachten. Er war überzeugt, dass politische und militärische Entscheidungen ethisch fundiert sein mussten. Beck glaubte zunächst, das Dritte Reich würde seine Ansprüche verwirklichen. Als er aber erkannte, dass das Handeln Hitlers mit seinen Überzeugungen unvereinbar war, führten ihn seine moralische Kraft und seine Prinzipientreue Schritt für Schritt in den Widerstand, bis zur letzten Konsequenz.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.06.2008

Der hier rezensierende Historiker Hans Mommsen zeichnet in einer sehr eingehenden Besprechung zu Klaus-Jürgen Müllers Biografie detailliert Ludwig Becks Werdegang zum Reichswehrsgründer und Generalstabschefs Hitlers bis hin zu seiner Beteiligung am gescheiterten Hitler-Attentat nach, ohne allzu oft auf das Buch Bezug zu nehmen. Als ausgewiesener Kenner der Thematik referiert der emeritierte Professor für Neuere Geschichte in Bochum die Stationen Becks, der nach seinem Rücktritt als Generalstabschef zu den widerständigen Offizieren um Claus Schenk von Stauffenberg stieß. Klaus-Jürgen Müllers Darlegungen, nach denen Beck der "sittliche Haltepunkt der Verschwörer" war, stimmt Mommsen uneingeschränkt zu, und er lobt die Forschungsleistung dieser Biografie, aufgrund derer, wie der Rezensent betont, der Beteiligung Becks an den Attentatsplänen in Zukunft mehr Bedeutung zuerkannt werden muss.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.02.2008

Bestnoten vergibt Rezensent Wolfram Wette an diese Ludwig-Beck-Biografie des emeritierten Historikers, die sich aus seiner Sicht über weite Strecken auch wie eine Militärgeschichte des "ersten deutschen Nationalstaats" liest. Zwar handelt es sich Wette zufolge um ein "streng wissenschaftliches Werk" für Spezialisten, was man allein schon am "riesigen Anmerkungsapparat" erkennen könne. Trotzdem kämen die Leser voll auf ihre Kosten. Zumindest jene, die sich für Innenleben, Denkstrukturen, Mentalitäten und Personalpolitik des preußischen Generalstabs interessierten. Denn der Autor leuchte mit viel Einfühlungsvermögen dieses Milieu aus und beschreibe auch Becks Position in diesem Kontext sehr deutlich, als dessen Exempel er für den Rezensenten immer wieder kenntlich wird. Allerdings findet Wette Becks Ansichten zur Judenverfolgung nicht deutlich genug herausgearbeitet. Auch bei der Darstellung der Motive für Becks Beteiligung am 20. Juli hätte sich der Rezensent etwas mehr Klarheit gewünscht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.01.2008

Von allen Bücher, die in den letzten Wochen über deutsche Generäle erschienen sind (Enzensbergers Hammerstein-Buch inklusive) ist Klaus Jürgen Müllers Beck-Biografie aus Sicht von Rezensent Jürgen Busche, was "Forschungsleistung und Darstellungskompetenz" betrifft, das beste. Busche fand hier nicht nur Ludwig Becks Herkunftsmilieu und dessen darin begründeten Reflexionshorizont überzeugend geschildert, sondern auch Milieu und Strukturbedingungen des preußisch-deutschen Militärs, die den plebejischen Nazis ab 1933 das Eindringen in diesen festen, elitären Block ermöglichten. Hier kann Müller den Rezensenten vor allem mit seinen Studien von Charakteren, Mentalitäten und elitären Attitüden des Militärs beeindrucken, deren Führung sich in Kompetenzgerangel verzettelte und den Ernst der Lage daher zu spät erkannte. Aber auch für Müllers Nachzeichnung von militärischen und politischen Einschätzungen und Entscheidungen seines für das Militär eher untypischen Protagonisten machen dieses Buch für den Rezensenten zur interessanten Lektüre.