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Theodor W. Adorno

Traumprotokolle

Cover: Traumprotokolle
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783518223857
Gebunden, 119 Seiten, 11,80 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Christoph Gödde und Henri Lonitz. Nachwort von Jan Philipp Reemtsma. Anfang Januar 1956 notierte Adorno: "Unsere Träume sind nicht nur als 'unsere' untereinander verbunden, sondern bilden auch ein Kontinuum, gehören einer einheitlichen Welt an, so etwa, wie alle Erzählungen von Kafka in 'Demselben' spielen. Je enger aber Träume untereinander zusammenhängen oder sich wiederholen, um so größer die Gefahr, daß wir sie von der Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden können." Die Bedeutung des motivischen Zusammenhangs seiner Träume legte ihm den Gedanken nahe, eine Reihe von ihnen auszuwählen und zu publizieren. Einer kleinen Sammlung solcher Traumprotokolle, die er für die Veröffentlichung vorgesehen hatte, stellte Adorno folgende Vorbemerkung voran: "Die Traumprotokolle, aus einem umfangreichen Bestand ausgewählt, sind authentisch. Ich habe sie jeweils gleich beim Erwachen niedergeschrieben und für die Publikation nur die empfindlichsten sprachlichen Mängel korrigiert."
Die erste Separatausgabe ergänzt die bereits publizierten Traumprotokolle um den größten Teil einer umfangreicheren Auswahl, die als Typoskript überliefert ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2005

Wirklich froh ist Detlev Claussen - selbst Autor einer viel beachteten Adorno-Biografie - über die Publikation dieses Bändchens nicht. Bisher waren Adornos Traumnotizen in der großen Werkausgabe versteckt und nur Kennern bekannt, berichtet Claussen, nun werden sie also herausgelöst - unnötiger Weise, wenn man dem Rezensenten glaubt. Er sieht sich zunächst in der Allerweltsweisheit bestätigt, das nichts langweiliger ist als die Träume von anderen. Zäh ziehe sich die Lektüre hin, was bei einem Bändchen von 120 Seiten nichts Gutes verheißt. Auch eine psychaoanalytische Relevanz will er Adornos Notizen nicht zubilligen, denn eine Traumdeutung, die diesen Namen verdiene, komme allenfalls in einem Wechselspiel von Analysand und Analytiker, aber nicht bei bloßen Notizen von Träumenden zustande. Claussen findet den Band sogar etwas peinlich. Er fühlt sich in die Rolle des Voyeurs gedrängt. Unbehaglich wird ihm vor allem bei der Vorstellung, dass Adorno diese Notizen mit wahrscheinlich manifest sexuellen Inhalten durch seine Frau abschreiben ließ. An Jan-Philipp Reemtsmas Nachwort schließlich fällt Claussen in erster Linie die Länge auf: 27 Seiten.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.09.2005

Ludger Lütkehaus kann mit der Lektüre dieses Traumbuchs den Lesern keinen "völlig neuen" Adorno versprechen, betont aber, dass man hier in "ungeschützter Form" quasi einen "Adorno von innen" vor sich hat. Der schmale Band versammelt Träume zwischen 1934, also noch vor dem Exil des Philosophen, und 1969, kurz vor dessen Tod, erläutert der Rezensent, der in Adorno einen "aufmerksamen Traumbeobachter" entdeckt hat. Zur Erleichterung Lütkehaus' versucht sich der Autor aber kaum je in der Deutung der Träume, sondern begnügt sich damit, sie zu notieren. Vor allem Exekutionsträume und Bordellträume scheinen das Traumleben Adornos dominiert zu haben, konstatiert der Rezensent, der dieses Buch als "höchst lesenswert" empfiehlt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.06.2005

Zu Verblendungszusammenhang, negativer Dialektik, Kritischer Theorie ist kaum ein Zusammenhang auszumachen, stellt Michael Rutschky nach Lektüre von Theodor W. Adornos Traumprotokollen fest. Was Adorno niederschrieb beim Aufwachen sucht nirgends den Anschluss an die Theorie, auch jede Traumdeutung bleibt aus. Also bleibt alles "opak und bizarr (und oft schreiend komisch)", ausführlich und genüsslich zitiert der Rezensent aus den Träumen, von Schwanzwaschmaschinen, diversen Kreuzigungen und gar der Oberaufsicht des Träumenden über die Hinrichtung von Gegnern des Nazi-Regimes. Das alles findet Rutschky offensichtlich interessant und lesenswert - an der vorliegenden Ausgabe aber übt er scharfe Kritik. Warum das ganze nicht im Rahmen der Gesamtausgabe erscheint, vielmehr nur die Ergänzung einer Auswahl ist, das will er nicht recht verstehen. Deshalb seine Forderung: Schluss mit dem "Futzelklamauk".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2005

Stefan Müller-Doohm zitiert trocken-humorvoll die von Adorno ohne jede Angst vor Tabus aufgezeichneten Träume, etwa den von einer jungen Geliebten, die er noch im Alter von sechzig Jahren hatte, und die vor der Erfüllung seiner Lust den Erwerb einer "Schwanz-Waschmaschine" verlangte. Adorno sei aus diesem Traum lachend aufgewacht, notiert Müller-Doohm noch. Adorno habe seine Traumnotizen zumindest zum Teil selbst zur Veröffentlichung vorgesehen. Einige waren aber an verstreuten Stellen auch schon publiziert. Nun liegt ein Band mit gesammelten Notizen vor, der von Jan-Philipp Reemtsma mit einem Nachwort versehen wurde. Zustimmend zitiert der Rezensent Reemtsmas Warnung, Adornos Träume einfach psychoanalytisch zu deuten. Auch Adorno selbst sei davor zurückgeschreckt. Die Inhalte der Träume speisen sich nach Müller-Doohm aus verschiedenen Quellen, aus erotischen Motiven einerseits, aus der Familiengeschichte andererseits, aber auch aus dem zeitgeschichtlichen Hintergrund des Holocaust, dem Adorno als Emigrant entging und mit dem er Schuldträume verband. Der Band scheint überraschendes und zum Teil surreales Material zum Verständnis des Philosophen zu bieten.
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