Frankreich ist die fünftgrößte Volkswirtschaft, Atommacht und eines der wichtigsten Länder der Erde. Nun steht das Land vor einem epochalen Einschnitt. Seit Marine Le Pen von ihrem Vater, dem Antisemiten Jean-Marie Le Pen, die Führung des ausländerfeindlichen, antiislamischen, rechtsextremistischen Front National (FN) übernommen hat, eilt die Partei von Erfolg zu Erfolg. Bei den Europawahlen erhielt sie die meisten Stimmen. Wird Le Pen im Mai 2017 die nächste französische Präsidentin?
Tanja Kuchenbecker hat den beispiellosen Aufstieg Marine Le Pens über viele Jahre hautnah verfolgt, auch in persönlichen Begegnungen. Anschaulich und voller spannender unbekannter Details beschreibt sie ihre Motive, ihre Strategie und ihre Vernetzungen in ganz Europa. Und sie zeigt, wie die gefährlichen Ziele und Werte Le Pens und des FN bis in die breite Gesellschaft hinein salonfähig wurden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.04.2017
Nadia Pantel hält sich in ihrer sehr positiven Besprechung des Buchs mehr am knackigen Familienklatsch der Le Pens als mit einer eingehenden Erörterung von Tanja Kuchenbeckers Darlegungen auf. Man erfährt, wie lieblos die Töchter Jean-Marie Le Pens aufwuchsen, wie skandalös seine Trennung von ihrer Mutter verlief und dass Marine Le Pen irgendwann ihren Vater abservierte. Vom Politischen ist jenseits des Bekannten wenig die Rede: Sie hat den Antisemitismus des Vaters abgelegt, aber sonst bleibt alles beim Alten. Mag sein, dass die Substanz des Buchs damit erschöpft ist - die Rezensentin hat sich jedenfalls offenbar recht gut unterhalten.
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