Aus dem Russischen von Ingeborg Kolinko. Die Tschernobyl-Katastrophe ereignete sich vor 20 Jahren. Noch heute sind die Folgen weltweit zu spüren. Das preisgekrönte Buch von Swetlana Alexijewitsch in einer Neuausgabe. Das Erlebnis der Tschernobyl-Katastrophe ist, so Swetlana Alexijewitsch, etwas, "wofür wir noch kein System von Vorstellungen, noch keine Analogien oder Erfahrungen haben, ... wofür nicht mal unser ganzes inneres Instrumentarium ausreicht". Das hat sich auch heute - 20 Jahre danach - noch nicht geändert. Die Autorin hat über mehrere Jahre mit Menschen gesprochen, für die die Katastrophe zum zentralen Ereignis ihres Lebens wurde. So sind eindringliche psychologische Porträts entstanden, literarisch bearbeitete Monologe, die von Menschen berichten, die sich ihre Zukunft in einer Welt der Toten aufbauen mussten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.04.2006
Berührt zeigt sich Ulrich Teusch von Swetlana Alexijewitschs Bestandsaufnahme der Katastrophe von Tschernobyl, die anlässlich des Tschernobyl-Jahrestages jetzt in einer Taschenbuchausgabe vorliegt. Die Autorin habe mit vielen Zeugen des Geschehens und unmittelbar Betroffenen gesprochen und deren Erinnerungen aufgezeichnet und literarisch verdichtet. Ihre Aufzeichnungen der Berichte bringen für Teusch die "existenzielle Erschütterung durch Tschernobyl" zum Ausdruck, und auch das Ringen um Worte und die Suche nach Vergleichsmaßstäben für das Erlebte: "Man fand keine Worte für die neuen Gefühle und keine Gefühle für die neuen Worte", so der Rezensent.
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