Vom Januar bis Juni 1999 war Annett Gröschner Stadtschreiberin in Rheinsberg - in diesen sechs Monaten ging sie durch die Stadt und sprach mit den Kernkraftwerkern. Sie interviewte Ingenieure, Techniker, Arbeiter, den Bürgermeister, alteingesessene Rheinsberger, die Witwen von Strahlengeschädigten - all die, die als junge Kräfte in den 60er Jahren in die verschlafene nordbrandenburgische Region geholt wurden, um ein beispielloses Projekt voranzutreiben: Das erste Kernkraftwerk der DDR. 1956 war der "Kontrakt 903" geschlossen worden, ein Regierungsabkommen zwischen der DDR und der Sowjetunion. Der junge Staat sollte von den Erfahrungen der großen Atommacht profitieren und eine damals sensationell neue Technologie bekommen. Ein Kernkraftwerk mit einer Leistung zwischen 50 und 100 Megawatt an den Ufern des Stechlins.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.11.2003
Annett Gröschner bezeichnet Harry Nutt als eine "Schriftstellerin mit Hang zum Semi-Dokumentarischen", und dieser Neigung verdankt sich seines Erachtens dieses hochspannende Buch, das ebenso Alltags- wie Technikgeschichte der DDR schreibe und nebenbei auch noch den mit der DDR verschwundenen Staatsauftrag einer Literatur der Arbeitswelt abarbeite. Begonnen habe Gröschners Projekt mit ihrer Tätigkeit als Stadtschreiberin von Rheinsberg, berichtet Nutt. Er ruft das von Fontane wohl unvergessliche Grummeln des benachbarten Stechlin-Sees in Erinnerung. An genau jenem See ging 1966 das Rheinsberger Atomkraftwerk ans Netz, das sich dem "Kontrakt 903", einem Regierungsabkommen zwischen DDR und Sowjetunion, verdankte; 1990 wurde es abgeschaltet. Aus Interviews mit dem ehemaligen Kraftwerkspersonal, Archivmaterial und anderen Geschichtszeugnissen habe Gröschner eine poetisch aufgeladene Kraftwerksgeschichte zusammengestellt, schreibt Nutt begeistert, die jederzeit die Sympathie für die Mitarbeiter und Stadtbewohner spüren lasse und dennoch frei von jeder Verklärung oder auch Abrechnungswut sei. Gröschner erinnert ihn an die Geschichtslehrerin Gabi Teichert aus Alexander Kluges Film "Die Patriotin", die ähnlich beharrlich wie eigensinnig in der Vergangenheit grub.
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