In der schweizerischen Gemeinde Kaiseraugst plante ein internationales Konsortium von 1965 bis 1989 den Bau eines Kernkraftwerkes. Schon die Planungsdauer macht deutlich, dass "Kaiseraugst" die üblichen Dimensionen eines technischen Projektes bei weitem sprengte. Neben seiner Karriere als elektrotechnisches Infrastrukturprojekt durchlief "Kaiseraugst" eine zweite Karriere als Projektionsfläche und Verhandlungsraum für unterschiedlichste Vorstellungen gesellschaftlicher Entwicklung. Die beiden Karrieren entwickelten sich seltsam unterschiedlich. Auf der einen Seite machte das Projekt Jahrzehnte ungestümer Fortschritte in der Atomkraftwerkstechnologie mit. Auf der anderen Seite erlebte es den dramatischen Akzeptanzverlust dieser Technologie in der Gesellschaft. Der Autor fragt nicht nur, warum das KKW Kaiseraugst nicht realisiert wurde. Er interessiert sich auch, wie es kommen konnte, dass in Kaiseraugst Grundwerte der schweizerischen Gesellschaft wie Demokratie, Rechtsstaat und Föderalismus, Wirtschaftsordnung, technischer Fortschritt und Umweltschutz zur Debatte gestellt wurden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.05.2003
Der Rezensent mit dem Kürzel "ani" bespricht zwei Dissertationen zur Geschichte der Schweizer Atomenergie, die im Rahmen eines Zürcher Forschungsprojekt entstanden sind. Die Untersuchung von Patrick Kupper, die sich mit dem gescheiterten Projekt des Atomkraftwerks Kaiseraugst beschäftigt, kommt zu "neuen Erkenntnissen" für die Ursachen des Scheiterns, stellt der Rezensent fest. Der Autor sehe nicht den Widerstand in der Schweizer Gesellschaft gegen das Atomkraftwerk wie bisher immer argumentiert, sondern Probleme in Bau und Finanzierung maßgeblich für das Scheitern verantwortlich, informiert der Rezensent. Er lobt die breite Fragestellung, die nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gesellschaftliche, technische, politische und organisatorische Gesichtspunkte in den Blick nimmt. Nicht zuletzt die Berücksichtigung "umfangreicher Archivbestände" erkennt der Rezensent als wichtigen Forschungsbeitrag an.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…