Aus dem Englischen von Ingo Herzke. April 1986, ein kalter Frühlingsmorgen in Weißrussland. Der dreizehnjährige Artjom darf zum ersten Mal mit den Männern des Dorfes auf die Jagd gehen. Im Lichte eines spektakulären Sonnenaufgangs durchstreifen sie die Felder, die Luft erfüllt von einer eigentümlichen Atmosphäre, und plötzlich macht Artjom eine verstörende Entdeckung: Das Vieh auf den Weiden blutet aus den Ohren, und kurz darauf fallen die Vögel tot vom Himmel. Im benachbarten Tschernobyl ist das Undenkbare passiert. Die Katastrophe von Tschernobyl teilt das Leben in ein Davor und ein Danach ein: Der Bauernsohn aus Weißrussland, der Moskauer Chirurg vor den Trümmern seiner Ehe, seine Exfrau, die Dissidentin, und ihr Neffe, das Klavierwunderkind, sie alle werden durch den Super-GAU unwiderruflich verändert, und ihre Lebenslinien werden zusammengeführt. Darragh McKeon zeichnet das Psychogramm einer hochtechnisierten Gesellschaft im Angesicht einer selbstverursachten Katastrophe.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2015
Ein irischer Roman über die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Darragh McKeon schildert am Beispiel verschiedener Personen, wie sich die Katastrophe auf die Menschen und ihre Beziehungen zueinander auswirkte und wie sie sich auf den Staat auswirkte: kurze Zeit später zerfiel die Sowjetunion. Rezensent Urs Heftrich findet das alles eindringlich geschildert. Aber es klingt nicht echt, bedauert er. Es liest sich nicht, als würden Sowjetbürger sprechen, sondern Iren, die sich Sowjetbürger vorstellen. Für die Hintergrundinformationen hat McKeon viel Swetlana Alexijewitsch gelesen. Vielleicht sollte der Leser das auch lieber tun.
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