Stephan Wackwitz

Die vergessene Mitte der Welt

Unterwegs zwischen Tiflis, Baku, Eriwan
Cover: Die vergessene Mitte der Welt
S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2014
ISBN 9783100910608
Gebunden, 256 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Georgien und seine Nachbarländer Armenien und Aserbaidschan liegen am äußersten östlichen Rand Europas. Es sind uralte Kulturländer und zugleich höchst lebendige Staaten, die sich zwanzig Jahre nach ihrer Loslösung von der Sowjetunion auf einem kurvenreichen Weg in die Moderne befinden. Stephan Wackwitz, Leiter des Goethe-Instituts in Tiflis, erlebte in Georgien den Machtwechsel 2012 und beobachtet den alltäglichen Kampf um Demokratie und Menschenrechte. Er beschreibt, wie ein immenser Bauboom das Gesicht der Städte für immer verändert. Vor allem aber spürt er den besonderen Atmosphären im Herzen des eurasischen Kontinents nach, wo sich nicht nur Westen, Osten und Süden, sondern auch alle Zeiten magisch zu mischen scheinen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.02.2015

Mit Stephan Wackwitz hat Jörg Plath einen gebildeten Kosmopoliten vor sich, zwar leider ohne fundierte Kenntnisse in Georgisch, Russisch oder auch nur der russischen Literatur, aber das macht nichts, findet der Rezensent. Zumindest im ersten Teil des Essaybandes nämlich vermittelt ihm der Autor flanierend die Atmosphäre des Südkaukasus, höchst reflektiert und zugleich durchsetzt von einer gewissen Melancholie, wie Plath feststellt. Den Wendungen der Texte folgt er willig, bis er in Erewan und Baku landet, wo der Autor der Moderne und der Vormoderne zugleich begegnet und für den Leser gewinnbringend zwischen Traum und Wirklichkeit vermittelt (Plath denkt dabei an Benjamin und Aragon). Dass der Band im Weiteren zwischen Schwulenjagdszenen in Tbilissi und Bushaltestellenbetrachtung "ausfranst", hält Plath für bedauerlich, soziologisch, architektur- und mentalitätsgeschichtlich hat ihm der Autor da allerdings bereits nachhaltig imponiert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.05.2014

Fakten, eine Menge historisches und kulturelles Wissen, eigenes Wollen und auch die eigenen Vorurteile und Illusionen hat der Autor laut Karl-Markus Gauß im Gepäck, wenn er Tiflis, Eriwan und Baku zwischen 2011 und 2013 immer wieder bereist. Für Gauß ein Glücksfall, denn Stephan Wackwitz sucht das Fremde und das Vertraute gleichermaßen und findet es in einer Moderne, die noch nicht vollends gesiegt hat, sondern den Reiz des Neuen versprüht. Dass Wackwitz beim Betrachten dieser heroisch-romantischen Phase der Moderne rund um den Kaukasus auch das Barbarische nicht übersieht und aufmerksam alles mit einer hohen selbstreflexiven Bildung abgleicht, macht die Lektüre für den Rezensenten vollends zum Gewinn.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.04.2014

Tilmann Allert fühlt sich von Stephan Wackwitz' "Die vergessene Mitte der Welt" zu einer Entdeckungstour in den Kaukasus verführt, nach Georgien zöge es ihn besonders. Im essayistischen Stil und mit einem feinen Gespür für Unterschiede hat Wackwitz, der Leiter des Goethe-Instituts in Tiflis ist, die "Alltagsnormen und Lebensgefühle" der Menschen in Armenien, Aserbaidschan und Georgien beschrieben, die sich allesamt aus ihrer Rolle als "weltpolitische Eckensteher" wollen, was sich in einer Spannung zwischen Modernisierung und konservativem Nationalismus äußert, erklärt der Rezensent. Mit literarischen Mitteln leistet Wackwitz einen wohltuenden Beitrag zum "Abschied aus der erzwungenen Bedeutungslosigkeit" der Region, lobt Allert.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.03.2014

Als Leiter verschiedener Goethe Institute ist Stephan Wackwitz nicht nur ganz schön rumgekommen, der Schriftsteller ist auch noch furchtbar belesen und hat ein besonderes Auge für Architektur und Atmosphären, lobt Rezensentin Eva Behrendt. In seinem neuen Essayband "Die vergessene Mitte der Welt" führt Wackwitz den Leser durch Georgien, Armenien und Aserbeidschan - immer entlang der Grenze zwischen Europa und Asien. Er offenbart dabei einen romantischen Blick auf diese Grenzregionen, der ihm selbst manchmal unheimlich wird, den Behrendt aber höchst inspirierend findet - zumal Wackwitz politisch überhaupt nicht romantisch sei, sondern ganz klar für Demokratie und Aufklärung. Alles in allem vermittelt die Rezension ein höchst anregendes Lektüreerlebnis der Kritikerin.